Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 139)
- Language
- German
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136 Stockung decken zu können. Eben war man in der Verzweiflung auf die Alchymie verfallen und bezahlte den verrufensten aller Goldmacher, Giuseppe Francesco Borri 1). der sich in Hamburg bei der Königin Christine von Schweden und in Kopenhagen am Hofe Friedrichs III. in der Kunst geübt hatte, Unsummen chemisch verpuffen zu lassen. Es war ein gar zu lächerlicher Widerspruch, mit der einen Hand die theuren Experimente der Metall- Verwandlung zu vergüten und mit der anderen die Goldquelle zu verschütten, die in allen Verlegenheiten des Staatscredites sich so zuverlässig erwiesen hatte. Es war für die Sache der Juden nicht das ungünstigste Zeichen, den Grafen Sinzendorf und seinen intimen Feind, der auf die Wunden seiner Finanzverwaltung längst rücksichtslos den Finger gelegt hatte, den strengen Grafen Johann Quintin Jörger 2), zusammen gehen zu sehen. Schon in der Commission3) hatte er allein den Muth gefunden, darauf hinzuweisen, »was denn am Ende erfolgen müsse, wenn man zugestandene und theuer erkaufte Hechte ohne Gr linde mir nichts, dir nichts aufhebe; ein solches Verfahren zerstört das Vertrauen in die Regierung auch unter den Christen«. Der Wind hatte umgeschlagen, die Fürsprache des Auslandes scheinbar Wunder gewirkt. Immer entschiedener wagte sich am Hofe ein offenes Eintreten für die Juden hervor, man stand eben nicht mehr allein und brauchte, gedeckt durch die Vordermänner, die Anwälte von draussen, nicht mehr zu fürchten, den Majestäten durch Widerspruch missliebig zu werden. Von der Austreibung vor dem Frohnleichnamsfeste war keine Rede mehr. Am 25. Mai, an ihrem Wochenfeste, erhielten die Juden sogar die ausdrückliche Verständigung von der kaiserliehen Resolution, durch die ihnen der Aufenthalt in Wien noch zwei Monate lang gestattet wurde 4). ף Arckenholtz II, 63 f.; Adam Wolf a. a. 0. 229; Vehse 11, 175. Mit der angeblichen Vergiftung des Kaisers, von der Borri ihn gerettet haben soll, dürfte es auch Zusammenhängen, was in den genannten Depeschen im Becorde office über eine Vergiftung des Brunnens in der Burg durch todte Katzen gemeldet wird. Vgl. Krones‘ Handbuch der Geschichte Österreichs 3, 562, 568. 2) Adam Wolf a. a. 0. 230. 3) [Josef Wertheimer], die Juden in Österreich I, 138 nach einer Handschrift, in der die Meinungen der einzelnen Commissionsmitglieder namentlich angeführt sind. 4) Am 7. Juni berichtet der yenetianische Gesandte a. a. 0. p. 275 : Pro-