Mannheim
Compact Memory

Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest · 1888-01-01 · [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888) · page 138

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
Volume
[11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
Date
1888-01-01
Page
– (sequence 138)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
86% known words query
IRI
…/3122061-3122082--1613-3123789
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

135 Eine in so grossem Stile eingeleitete Hülfsaction, die Yer- Wendung so einflussreicher und hochstehender Persönlichkeiten aus so verschiedenen Ländern konnte nicht völlig ohne Wirkung bleiben. Es war schon eine grosse Errungenschaft, wenn die so eng bemessene Frist zur Auswanderung erweitert, der Aufenthalt in Wien den zwischen Heimath und Fremde Getbeilten nach dem 25. Mai gestattet wurde. Anfangs Mai wusste man bereis bei Hofex), dass der Kaiser, dem vielseitigen Drängen und Bitten nachgebend, in eine Erstreckung der Austreibungsfrist bis zum 26. Juli 1670 gewilligt habe. Die Thatsache, dass man für die Juden überhaupt einzutreten anfieng, die Briefe, die bei den ersten Würdenträgern des Beiches zu ihren Gunsten einliefen, die Fürsprache gefürsteter und gekrönter Häupter, die bei den einflussreichsten Feinden selbst sich Gehör zu verschaffen wusste, alles das gab auch manchem Höfling, der aus Unterwürfigkeit und Wohldienerei gegen den Willen der Majestäten die Stimme des Interesses und des Gewissens in sich erstickt hatte, wieder den Muth, ein Wort für die Yerfolgten einzulegen, einen Bechtstitel auf ihre Dankbarkeit sich zu verdienen * 2). Graf Sinzendorf, der Präsident der allezeit bedrängten Hofkammer, hatte früher bereits auf den unverantwortlichen Schaden hingewiesen, der den Finanzen durch die vom blindem Hasse eingegebene Vertreibung der Juden bereitet würde 3). Er wusste am Besten, zu welchen Mitteln er sich bequemen musste, um nur die nothdtirftigsten Ausgaben des Staatshaushaltes ohne ג) So verstelle ich. die freilich ungenaue Nachricht, die Herr JElkan N Adler, M. A., in London aus einer anonymen Depesche im Record Office vom 3. Mai 1670 DO Germany 108 & 109 mir mitgetheilt hat: The Jews are granted the Prolongation of their banishment tili the feast of omnium sanctorum; but since their debts to the Jesuites and Oarmelites, ־which is a considerable summa, can not soo suddenly he payd, their houses are by publick Imperiall eommands offered to he sould to satisfaction of the dehtors. In seiner Depesche vom 1. Mai 1670 meint dagegen der schwedische!Resident noch, die Juden werden trotz ihrer Hoffnung bis Drohnleichnam sich wegbegeben müssen. 2) Am 13. Marz 1670 schrieb der schwedische!Resident H. H. von Gehsattel in Chiffren an seine Regierung : »Wegen des tax möcht es sich nun eine zeitlang verzihen, doch ist der eyfer sehr gross, also das Niemandt auch von den grösesten sich wass zu sagen geträwet. Wie glaubhafft verstehe, der Cammer- Präsident hat starck geredet, warumb man sich eines so stattlichen regals ewig berauben wolte«. s) S. die vorige Anm.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.