Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 132)
- Language
- German
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129 Herold fernerer Schrecken drang die Botschaft durch die Lande. Den Juden in den Provinzen des Kaisers erbebte die Erde unter ihren Füssen. "Wenn kaiserliche Schutzbriefe Nichts mehr galten, Privilegien eitel Wind waren, was sollte die Rechtlosen in anderen Ländern vor dem gleichen Missgeschick behüten! Aber in dieser allgemeinen Furcht entfaltete sich auch ein allgemeines Mitleid, dessen schriftliche Beweise aufrichtend und belebend wie Thau auf die Gemiither der Unglücklichen im Wiener Ghetto wirkten. Ja, als kaum 3 Wochen nach dem Unheilsruf schon aus Altona die Nachrieht einlief, wie tief ihr Schicksal den glücklicheren und einflussreichen Glaubensgenossen dort und in Hamburg zu Herzen gieng? und als vollends am Hofe die ersten Zeichen einer vom Nordenaus versuchten Hiilfsaction sich ankündigten *), da fassten die Verzweifeiten wieder Muth und schöpften aus der plötzlich aufgegangenen Hoffnung neue Kraft, die aufreibenden Tage zu überstehen, die jetzt für sie angebrochen waren. Einer vor Allen war es, auf den sie unter ihren Brüdern alle Zuversicht setzten, Manuel Teixeira de Mattos * 2), der Resident der Königin Christine von Schweden in Hamburg, ihr vielverdienter, stets bewährter Beirath und Beistand, Schützling und Freund, der mit den Mächtigen der Erde und selbst in seinem Heimathlande Spanien Verbindungen hatte und unterhielt. Mit seinem Klausrabbiner, mit Jakob Sasportas, war R. Gerson Aschkenasi während der sabbatianischen Bewegung bekannt geworden. Als jetzt die Freudenbotschaft bei der Gemeinde in Wien einlief, mit welcher Hingebung Teixeira sich ihrer anzunehmen ent־ schlossen sei, da vereinigten sich Rabbinat und Vorstand Sonntag den 23. März, um in einem bewegenden Hülferuf dem edlen Manne nahe zu legen, wie dringend da Hülfe nöthig sei. R. Gerson und die Beisitzer des Rabbinates, Hirz Koma und Chanoch Frankel 3), die ג) Dies folgt aus dem Briefe der Wiener G-emeinde an Teixeira in Jakob Sasportas EGA. אהל יעקב Nr. 77. 2) יצחק סיניוד טיגיירה, wie die Wiener ihn nennen, heisst Don Manuel auch in קיצור ציצת גובל צבי f. 4a. Auf seinem Grabsteine lautet der Name: Yshack Haim Cenor Teixeira s. de Castro, Keur van G-rafsteenen (Leiden 1883) Nr. 19. Ygl. über ihn Arclcenholtz, Memoires concernant Christine reine de Suede II, Index s. v. Teixeira. 3) Grätz X, 302 n. 3, Ben Cliananja VIII, 105, 187, 238. Kaufmann, die letzte Vertreibung. 9