Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 133)
- Language
- German
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Judenricliter Dr. Leo Winkler, der Gemeindearztx), Marx Schlesinger, Juda Pollak, Michael Gerstl* 2), Josef b. Secharja 3) unterschreiben den Brief, der Teixeira zu rascher Hülfeleistung bestimmen sollte. Es war das alte Mittel ihrer Stammesgeschichte, die vielgewohnte Bettungsart, die phylogenetische Vertheidigung, der Einfluss der Einzelnen, da"s Fürwort der Mächtigen,^ was sie jetzt anzurufen riethen. Der Kurfürst von Sachsen, der Beichtvater der Königin von Spanien und andere Männer dieses Banges sollten aufgefordert werden, an den Kaiser und die Kaiserin wie an ihren Beichtvater Briefe zu Grünsten der Juden zu richten. Die Verweildüng der Fürsten und Grosswürdenträger der Kirche, so schrieben sie 4), sei ihre letzte Hoffnung. Jeder Glaubengenosse, der in diesen Kreisen Gönner und Bekannte hat, möge im Verein mit Teixeira ihre Fürsprache anrufen und so Bundesgenossen zur Bettung der Wiener Gemeinde, die einst Anderen geholfen, aufzubieten suchen. Sie selber seien machtlos, erschöpft und entkräftet, von Mitteln entblösst und ausgesogen, durch die Zahl der Armen in ihrer Mitte erdrückt, die des Notkdürftigsten entbehren und nun noch in die Fremde hinausgestossen werden sollen. Darum möge Teixeira mit den Freunden in Altona und Hamburg für sie rathen und thaten, um dem Verhängnisse in den drohend aufgehobenen Arm zu fallen. Ein bitteres Osterfest brach für die Gemeinde an, das letzte im Ghetto von Wien. Wie Vielen mag es da in die Seele gesclmitten haben, wenn an den ersten zwei Festabenden die Haggada und der Kranz tiefdeutiger Bräuche der lebendigsten aller Erklärun- ג) Nicht Leo Lucerna, ־wie D. Oppenheim in Neuzeit 4, 395 und Wiener in Ben Chananja 8, 105 vermuthen mussten. 2) Alle drei von Wiener a. a. 0. richtig erkannt. מרזיליום für מרגליות in Schlesingers Namen ist eine falsche Entzifferung seiner Unterschrift hei Sasportas. 3) Es ist mir durch eine Prüfung der Unterschrift Josef b. SecharjVs im Briefe nach Venedig (s. p. 139 n. 2) unzweifelhaft geworden, dass der sefardische Copist des Wiener Briefes in Sasportas Besponsen aus זכרי/ סגל ז״ל den Namen יעקב זצו״קל gemacht hat. Die Identität des übrigen Theiles der Unterschrift sowie die der fünf Bichter in beiden Briefen macht meine Vermuthung fast zur Crewissheit. Der Copist hat übrigens in die Wiener Unterschriften auch seine sefardischen Voraussetzungen hineingelesen. Keiner der Wiener Bichter hat ך für בן oder hinter seinem Namen סט geschrieben. 4) אהל יעקב BG-A. 77; Wiener in Ben Chananja 7, 910—13.