Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 122)
- Language
- German
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119 lehrt und gepredigt, bis es kein Advokat mehr wagte, eine »rechtschaffene Schrift« für sie zu arbeiten. In dieser Enge und Gefahr rafften sie sich noch einmal auf, dies Alles dem Kaiser selber in einem nothdlirftig zu Stande gebrachten Memorial vorzutragen 1). Sie ahnten nicht oder waren wenigstens sehr schlecht von dem unterrichtet, was man ihnen zur Last gelegt hatte, und stachen mit jedem Argumente, das sie für sich anführten, unvermuthet gleichsam in ein Wespennest. Der Brunnenvergiftung, des Christenmordes hatte man sie bezichtigt und sie wiesen auf die ununterbrochene Reihe von Privilegien, die ihr »Wohlverhalten« von so viel Kaisern ihnen erworben habe. Als christliches, gottgefälliges Werk war ihre Austreibung dem Kaiser dargestellt worden, den sie jetzt an den Judenschutz erinnerten, der vom Papst, allen geistlichen und weltlichen Potentaten geübt werde. Unter schleif und Schwärzerei waren als ihr Handwerk bezeichnet worden, sie berufen sich auf die Mauthämter, um die Höhe ihrer dem Staate eingebrachten Abgaben zu erweisen. Des Einverständnisses mit dem Erbfeind des Landesverraths hatte man sie geziehen, sie erinnern den Kaiser an ihre offenkundigen, »treuherzig« gebrachten Opfer im Schweden- und Türkenkrieg, ihre Leistungen in allen Nöthen und Gefahren. Die Blutegel der Bevölkerung, die Landesverderber, wie man sie nannte, führen »die ungläubige summa«' für sich an, die sie allen Zünften und Händlern eingebracht. Von Aussaugung der Armen hatte man dem Kaiser gesprochen, sie rufen die Hülfe an, die sie so viel bedürftigen Christen gegen die allerschlechtesten Pfander geleistet. Die Gefahren und Verlockungen des Adels, die man so bedrohlich geschildert hatte, erscheinen hier als die geebneten Verlegenheiten etlicher Vornehmen, die sich schämen, einen Christen anzusprechen. Die wiederholten Inquisitionscommissionen hatte man hervor gehoben, die im Laufe der Jahre gegen die Juden nothwendig geworden waren, sie aber erklären, allezeit die Bestrafung der Schlechten gefordert zu haben, die übrigens »auch bey denen aufs beste bestellten Communiteten nichts vnerhörtes« seien und für die alle Übrigen »hoffentlich nicht zu entgelten« haben. Berge von Anklageschriften hatte man von Bürgern, Kaufleuten und Gewerkschaften eingeholt, jetzt soll Krämerneid und Selbstsucht als 0.3. *) Rauclnitzer Archiv s. s. 6.