Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 121)
- Language
- German
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118 bringen. Adelige *), wie die Gräfinnen Buchheim, Breuner, Lamberg, Spitzen der Generalität, wie der Graf Spinola, Thann und Baron Ugarte, die besten Bürger wie Bartholomäus Schlözer und Dr. Hueber, jetzt Commissär der Judenschulden, hatten bereitwillig und beruhigt der Gemeinde Oapitalien anvertraut. Jetzt hetzte der Stadtschreiber offen zur Kündigung dieser Forderungen und erklärte den Judenrichtern ins Gesicht, dass der Magistrat das Unglück der Judenschaft als seinen Verbündeten begrlisse. Wer fortan einem Juden lieh, so hatte es im Ausweisungsrufe von allem Anfang an gelautet, hatte keinen Anspruch auf Zahlung; so waren dem Credit die Sehnen durchgeschnitten. Kein Christ, aber auch kein Jude wollte mehr leihen. Als Kaufleute einzig auf den Umsatz ihrer Waaren angewiesen, an Baargeld arm, sahen die Juden in jeder gekündigten Forderung einen Schritt näher zum Untergang, zur unaufhaltsamen Katastrophe. Wohl klagten bereits die Zünfte der Bäcker,. Fleischer, Fischer und Schuhmacher über den Ausfall, den sie durch die Entvölkerung der Judenvorstadt zu leiden hatten, aber die von Wien erklärten offen durch den Mund ihres Stadtschreibers, dass sie nicht ruhen würden, so lange noch ein Jude in der Stadt verbleibe. Der Credit versagte, der Handel stockte. Auch der Geschäftsverkehr mit den Provinzen hatte ein Ende. Wien war für Juden von auswärts eine versperrte Stadt. An der Donaubrücke, die besonders alle aus Mähren nach Wien Reisenden passiren mussten, hatte die Wache den Auftrag, keinen Juden, und sei es auch nur zur Besorgung seiner Einkäufe, hineinzulassen * 2). In diesem Jammer überkam auch noch die Juden das nieder drücken de Bewusstsein der geistigen Notk, in die man durch Ausschliessung und Verhetzung sie gebracht hatte. Die Verläumdeten und Ange־ klagten, auf die unaufhörlich Pech und Schwefel regnete, waren für ihre Verteidigung auf Christen angewiesen, da es in ihrer eigenen Mitte keinen Sachwalter, keine Persönlichkeit von öffentlicher Stellung geben durfte. Jetzt sollte auch dieses natürlichste Men־ schenrecht, die Verteidigung, ihnen abgeschnitten werden. So lange hatte man den Hass gegen sie als Bürgerpflicht geimpft, ge- ף g. Wolf; Geschichte der Juden in Wien 51. Über die Carmeliten im unteren Wörth s. Weschef 254 ff. 2) Nach der Eelation öes schwedischen Ministerresidenten vom 21. November 1669,