Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 120)
- Language
- German
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117 Jahreszeit der Fortsetzung der Grausamkeiten abhold, aberג) »die Execution ist die Seele aller heilsamen Resolutionen,« so lautete *die Losung der Commission. Gleichwohl blieb das Gesuch der Juden diesmal nicht ohne Antwort. Am 22. Oktober ergieng eine kaiserliche Resolution* 2), die ihnen einen ferneren Bescheid auf ihre Bitte in Aussicht stellte, wenn zuvor drei Bedingungen erfüllt sein würden, u. z.: 1. der Auszug aller in der zweiten Specification benannten Juden, 2. die Abführung der ihnen auferlegten Strafgelder, und 3. die Befriedigung des Hauptgläubigers der Gemeinde, der Karmelitenbrüder, die fast die Hälfte der gesummten auf der Judenstadt haftenden Schuldenlast allein zu fordern hatten. Am selben Tage ergieng aber zugleich an die von Wien ein kaiserliches Edikt■3 * 5), das die grundbücherliche Vormerkung neuer Sätze auf die Häuser der Judenstadt verbot, d. h. dem jüdischen Credit den Garaus machte und eine Specification der auf jenen Häusern bereits haftenden Forderungen verlangte. Die Ausgewiesenen waren abgezogen, die Strafsummen erlegt, die Karmeliter beruhigt. Jetzt glaubte man im Ghetto, wieder Etwas in Händen zu haben, an das man sich klammern konnte, aber es war ein Strohhalm, mit dem der Ertrinkende nur noch geneckt werden sollte. Der verheissene Bescheid liess auf sich warten. 4 Aber die Harrenden hatten keine Zeit zu verlieren. Sie sahen klar, dass der finanzielle Zusammenbruch dem Untergang der Gemeinde noch vorangehen musste, wenn nicht ein kaiserliches Gnadenwort dem unter ihren Füssen ins Wanken gerathenen Boden Halt zuriefe. Die frommen Brüder vom Karmeliterkloster hatten gar nicht verlangt, ihr Kapital den Juden zu kündigen, dessen Zinsen stets regelmässig waren abgeführt worden, aber es gab nicht lauter so vertrauensvolle Gläubiger. Die von Wien betrachteten es auch als ihre Aufgabe, Misstrauen gegen die Juden zu säen, alle ihre Schulden gleich einer Lawine gegen sie ins Rollen zu ג) Iin Eingang ihres Votums vom 25. Februar 1670 im Archiv des k. k. Ministeriums des Innern. 2) Nach dem letzten Memorial der Juden an den Kaiser im Raudnitzer 0. 2. Archiv s. s. 6. das auch dem Folgenden zu Grunde liegt. 5) Archiv des k. k. Ministeriums des Innern a. a. 0.