Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 119)
- Language
- German
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116 in die Stadt gedrungen. Auf grundlosen Wegen flüchtend, von Schadenfreude und Hass begleitet, waren Manche zu Krüppeln, Andere ermordet worden und »jämmerlich um ihr Leben« gekommen. Yom unerbittlichen Ausweisungstermine gedrängt, hatten sie ihre Habe um einem Bettelpreis verschleudern müssen, arm und elend zugleich geworden. Den Zurückbleibenden entsank der Muth, die neue Austreibungsordre war wie der Blitz in die zitternde Heerde gefahren. Aber so. tief war ihr Glaube an den Schutz des Kaiserhauses und das Herz des Monarchen, dass sie wieder bei ihm ihr Heil versuchten und in ergreifenden Klagen seine Barmherzigkeit anflehten 1). An den fast 1400 Opfern, so hofften sie, werde er es genug sein lassen, waren doch »nicht ohne Hertzbrechendes Mitleiden der zusehenden Christen die Eltern von den Kindern und diese von ihnen abgerissen worden«. Aufrechten Hauptes konnten sie vor dem Throne betheuern, wie sie niemals als Gemeinschaft einer Übelthat sich schuldig gemacht, vielmehr Staat und Stadt in Unfällen gestützt, bei allen Belagerungen geschanzt und gesteuert, gegen die Schweden das Leben gelassen, in den letzten Jahrzehn־ ten bis in die 600,000 Gulden an Abgaben geleistet, die Einkünfte der Mauten durch ihren Handel ungemessen gehoben, die Waaren verwohlfeilt und so der Bevölkerung Gutes gestiftet haben. »In allergnädigster Erwägung / dass / ein Jude zu sein / an sich selbst keinLaster ist /« und weil schliesslich des Kaisers Majestät ihre » Vertilgung für keine Genugthuung Dero zarten Gemüths halten werde«, richten sie an ihn ihr »fussfälliges Seufftzen / und Blut trieffendes Bitten,« durch ein Decret sie in der kleinen Anzahl, die sie jetzt nur noch ausmachen, in ihrem Bestände und Besitze »ungekränkt verbleiben zu lassen.« Aber der fromme Bischof von Wiener-Neustadt hatte sich in den Kopf gesetzt, dass mehr als tausend Juden auch vorläufig nicht in Wien Zurückbleiben dürfen. Was 1400 überstehen konnten, das würden auch 300 ertragen; je näher der Beschluss des Kaisers seiner vollen Durchführung kam, desto mehr schien Kollonitsch und der in seinem und Hochers Geiste geleiteten Commission gewonnen. Wohl wrar der Winter vor der Thür, die נ) In diesen Zeitpunkt fällt das nach Theatri Europaei t. X. Forts, p. 258 f. von Schudt I. 345 ff. mitgetlieilte Memorial, dem icli liier folge.