Mannheim
Compact Memory

Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest · 1888-01-01 · [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888) · page 103

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
Volume
[11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
Date
1888-01-01
Page
– (sequence 103)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3122061-3122082--1578-3123754
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

100 sie bis auf das unterste Stockwerk niedergebrannt in Asche; die kaiserliche Familie hatte eben nur noch Zeit gefunden, ihr Leben zu retten. Die vom Aberglauben geängsteten Gemüther des Kaisers und der Kaiserin erblickten in dem Unfälle, den die Unvorsicht eines Arbeiters hervorgerufen hatte, Wunder und Zeichen 1). Auf das Geschrei des Pöbels, dass die Juden den Brand angelegt hätten, hat bei Hofe wohl kaum Jernand gläubig geachtet, aber es beweist, dass man die Volksleidenschaften wieder einmal so weit hatte entfesseln und verwildern lassen, dass man wahnwitzig die Juden selbst für das Schicksal verantwortlich machte. Die Aufregung und Verbitterung des Kaisers wuchs in jenen Tagen noch durch die ungreifbaren, gespensterhaft schreckenden Anzeichen der ungarisehen Verschwörung, die damals noch, wie ein Gewitter unter dem Horizonte, wetterleuchtend sich vorbereitete. Auch ihm lag es von Natur und durch Erziehung nahe, die bangende Seele durch Gelübde zu entlasten, mit frommen Werken den Sturm des Geschickes beschwören zu wollen2). Auf die Juden von Wien hatten Freunde und Feinde seine Aufmerksamkeit gelenkt. Unvergessen schwärte es in seiner Erinnerung, wie die ungarischen Protestanten in ihren Suppliken sich darauf beriefen, dass man »mit denen ärgsten Feinden des Kreuzes« erträglicher als mit ihnen verführe und ihnen in Wien selbst freien und sicheren Aufenthalt und Synagogen verstattete, »worinnen doch so viel Lästerungen gegen den Heyland ausgestossen würden« 3). Man sorgte wohl dafür, dass es in Wien bekannt werde, wie der Kaiser sich darnach sehne, der Ketzer und ärgerlichen Verleugner seines Glaubens ledig zu werden. Wenigstens sehen wir bereits im April 1668 plötzlich, aber wie gerufen, die Abgesandten derer von Wien in Wiener- Neustadt vor ihm erscheinen, um die völlige Austreibung der Juden von ihm zu erberichtet Weschel 276 f. Realis 41 f. Vgl. Joseph Maurer, Cardinal Leopold Graf Kollonitseh 39 f. נ) An die wunderbare Errettung eines Partikelchens von dem Kreuze, zu dem der Kaiser gewöhnlich betete, erinnert der damals errichtete Sternkreuz־ orden s. Rink a. a. 0. 2) Pufendorf 50 berichtet von einem ausdrücklichen Gelübde des Kaisers, dass er nach der Dämpfung der Rebellion in Ungarn »solch Reich apostolisch machen und Alles, was dem römischen Stuhl keine Devotion erzeigete, daraus vertreiben wollte.« 3) Rink 579 und ihm folgend Schudt L 349.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.