Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 102)
- Language
- German
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99 gange gesichert. Die Verhaftungen erwiesen sich als zwecklos; die Schuld an dem den Juden zur Last gelegten Morde, die nicht vorhanden war, liess sich auch nicht entdecken. Nach zwölf Monate lang geführten Untersuchungen mussten die Häftlinge auf freien Fuss gestellt werden. Selbst Hirschei Meyer, der zu Güterverlust und Landesverweisung ve?urtheilt worden war, scheint einen Nachlass seiner Strafe erwirkt zu haben; an Fürsprechern und Freunden hei Hofe hatte es ihm eben auch jetzt noch nicht gefehlt. Aber das Schicksal der Einzelnen war jetzt gleichgültig; ob sie kürzer oder länger zu dulden hatten, frei- oder schuldiggesprochen hervorgiengen, die Gemeinschaft hatte den Prozess verloren. Dass man ihnen Nichts nach weisen konnte, so argumentirte man bald vor dem Kaiser, das macht sie nur um so gefährlicher. Und ihre einzige noch unbestrittene gute Eigenschaft, ihre Steuerfähigkeit und Nutzbarkeit, die übrigens für den in der Liturgie besser als im Staatshaushalte bewanderten Leopold wenig ins Gewicht fiel, erwies man ihm jetzt auch als Täuschung, über die Hirschei Meyer dem Hofe die Augen geöffnet habe. Noch schmachteten die Gefangenen im Kerker von Wiener- Neustadt, als das Ghetto in Wien von neuen Schicksalsschlägen erzitterte. Trauer hatte sich am 3. Januar 1668 auf die Hauptstadt herabgesenkt, als die junge Hoffnung des Kaiserhauses, der Kronprinz, drei Monate nach seiner Geburt dahingerafft wurde. Im Herzen der von Schmerz und Aberglauben verdüsterten Kaiserin scheint damals bereits der Vorsatz aufgekeimt zu sein, das erzürnte Geschick durch ein Opfer zu versöhnen. Und es gab ein solches in ihrer nächsten Nähe, das leichten Herzens gebracht werden konnte, der Kirche zu Liebe und Niemand zu Leide, auf das ihr Blick nur gelenkt zu werden brauchte, um es willig preiszugeben. Von dieser Stimmung zu dem Gelübde, mit dem Anstoss ihres *Glaubens, mit dem Aergerniss der Kirche, mit den Juden nach spanischem Muster aufräumen zu lassen, war nur ein Schritt. Noch lagen die Schatten des Todes auf den Gemüthern des Kaiserhauses, als der Brand der Hofburg, der am 13. Februar 1668 Nachts um 2 Uhr ausbrach, von Neuem Trauer und Entsetzen verbreitete 1). Kaiser Leopold selber hatte 1660 erst sie erbaut, jetzt lag ג) Hink 561 überliefert, dass man von Nädasdy vermutbet babe, der Brand sei auf seine Veranlassung gelegt worden. Die Beschuldigung der Juden 7*