Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 98)
- Language
- German
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95 Ahnen die Kirche sich des Thrones bemächtigt. Vor der Geburt bereits von beiden Eltern dem Cultus der Maria gewidmet *), wurde er zu sechs Wochen ihr verlobt, seine Kindheit hindurch für ihren Dienst erzogen. Unersättlich im Glauben, verlangte das Kind bereits statt einer halben eine ganze Stunde Religionsunterricht, den von allem Anfang an Jesuiten leiteten. Seine Spiele waren Capellenbauen, Altäreschmücken, Messencelebriren, so dass sein Vater von ihm sagte, er werde mit der Zeit das »Modell eines volkommenen Praelaten abgeben« * 2). Die Erziehung zielte auch darauf, für den geistlichen Stand ihn vorzubereiten; die Geschwister nannten ihn nie anders als das Pfäfflein. In seinem 13. Jahre konnte ihn der Orden der Jesuiten bereits als den seinigen betrachten. East in der Kindheit noch zur Kegierung berufen, setzte der Monarch fort, was der Knabe begonnen hatte. Eiir ihn war das Wort Gustav Adolfs nicht gesprochen, dass es nicht der Beruf der Fürsten sei, die Menschen vor der Hölle zu bew7ahren. Im Mariendienste gross geworden, nannte er sie seine Befehlshaberin im Kriege, bei Friedenstractaten seine Gevollmächtigte. Nach Oettingen, Zell und Passau wallfahrtete er fleissig zu ihren Altären. Man zählt an 300 Kirchen, die durch ihn erbaut wurden. Nach Schweden, Dänemark, Schottland und Irland sandte er Missionäre, wie er auch 2 Bisthiimer und 3 Seminarien errichtete, um die Griechen zum römischen Glauben hinüberzuziehen. Für seine Andachtsübungen und besonderen Feiertage wurde ein eigener Kalender gedruckt. Der Priesterschaft vertraute er seine Seele an, aber über alle Geistlichen liebte er die Jesuiten, die allezeit auch seine Beichtväter blieben3 *). In ihren Händen lagen die Fäden, an denen seine Entschlüsse hiengen. Das Echo ihrer Einflüsterungen war die einzige Stimme seines Gewissens geworden. In ihm war der Glaube nicht das milde Himmelslicht, das den Geist verklärt und das Gemilth durchleuchtet, sondern die Altarkerze, die, flackernd und qualmend, die Seele ג) [Rink7, Leopolds des Grossen / Rom. Kaysers / minderwürdiges Leben und Thaten / aus geheimen Nachrichten eröffnet und in vier Theile getheilt (ed2. Leipzig 1709) 24, 32, dem auch die folgenden Angaben entlehnt sind. 2) Ib. 38; Franz Wagner S. J.9 historia Leopoldi Magni (Augsburg 1719) I, 4. 3) Rink 107; Esaias Ptifendorf 3 Bericht über Kaiser Leopold, seinen Hof, 11er. von K. Cf. Selbig 59.