Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 96)
- Language
- German
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93 ten sich, demWahnwitz. Uber Bosnienג) hatte man die Psalmen erfahren, die Sabbatai Zebi besonders bevorzugte, mit verzückter Inbrunst wurden diese denn Tag und Nacht in den Synagogen ohne Unterlass gebetet und gesungen. Die Kasteiungen, die man sich auferlegte, giengen so weit, dass Einer es im Fasten zu acht vollen Tagen gebracht haben soll. Der Wahn steigerte sich zum wachem Träumen, zur bedenklichsten Pflichtvergessenheit. Der Handel lag brach, man mochte von den Geschäften dieser Welt Nichts mehr wissen. Die Tollheit der Gegensätze hatte wirklich Etwas von den Zeichen der messianischen Zeit. Draussen ergieng von Neuem der Huf* 2), dass man bei Leibesstrafe vor Thätlichkeiten und Ausschreitungen gegen die Juden sich zurückhalte, so sehr war ihre Sicherheit bedroht, ihr Leben gefährdet, und drinnen strahlten die Verfolgten von eitel Hoffnungsseligkeit und innerer Siegesgewissheit. Und thöricht genug, floss selbst der Mund über von der erträumten Herrlichkeit, von dem angebrochenen Tage des Messiasreiches, ohne Gefühl von dem schneidenden Contraste zwischen dem Jammer ihrer Lage und dem Bausche ihrer Erwartungen. Die Kühnsten und Umnebeltesten sahen das Ghetto bereits hinter sich und das gelobte Land vor den Auswandernden offen 3). Für B. Gerson Aschkenasi war eine schwere Zeit gekommen. Die Messiasboten aus Lemberg, die Enkel des B. Joel Serkes, waren ihm verwandt, in seinem Herzen war er der Kabbala nicht abhold 4), seine Heerde hatte der wilde Taumel fortgerissen: wird er, der Hirte, allein die klare Besinnung bewahren können? Und doch muss er sie behalten haben, da B. Jakob Sasportas in Hamburg, dieser Wellenbrecher des Wahnes, an ihm5) und dem Landesrabbi- ג) Ich folge der Darstellung im Theatrum Europaeum X, 1,437 ft*, hei Schneit II, *41 f. 2) Schlager a. a. O. 259. 3) Bei Schneit a. a. 0.: »Ja in Wien / allwo das höchste christliche Ober- Haupt seihst residirt / war die Unschambarkeit der Juden so gross / dass sie sich nicht scheuten / ihres neuen Messiae, und JüdischenRegiments / den Christen zum Spott und Verdruss / zuberühmen usw.« Vgl. auch ,נהל ת שבעד II, RGA. 81. 4) Ich habe den Brief, der in der Ausgabe f. 13a weggelassen worden ist, aus der Handschrift, die mir Dank der Güte des Herrn A. Epstein Vorgelegen hat, kennen gelernt. Die Überschrift lautet daseihst: החים השלם ר״מ אב״ד ומורה צדק כמוהר״ר גרשון נרו• Von der ausserordentlichen Schätzung R. Gerson’s giebt dei* Inhalt des Briefes Zeugniss. Der Name von R. Simeon Spira’s Vater,