Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 81)
- Language
- German
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78 Stadt aufführen. Die Regierung hatte daher auch bereits auf Ansuchen der Judenschaft am 16. Oktober 1663 den Beschluss des Kaisers vom 26. September, die Juden, wenn sie sich erst genügend verproviantirt hätten, bei steigender Belagerungsgefahr mit Weib und Kind in die innere Stadt aufzunehmen, dem Bürgermeister und Rathe von Wien zur Kenntniss gebracht 1). Allein die Gefahr gieng vorüber; die Schlacht bei S. Gotthard am 1. August 1664 hatte den Sieg an Österreichs Fahnen geheftet. Mochte auch der Staat im Frieden von Eisenburg um die Früchte des Sieges geprellt werden, die Bevölkerung begrüsste den Waffenstillstand auf 20 Jahre, der da geschlossen wurde, mit hellem Jubel. Für die Juden freilich erhob. sich mit dem Schwinden der äusseren Gefahr die innere nur um so drohender. Ihr Ghetto blieb weiter in Belagerung; den Feindseligkeiten, die sie erlitten, that kein Waffenstillstand Einhalt. In dieser erniedrigenden und, wie aller Druck es zu thun pflegt, leicht auch entwürdigenden Lage kann der Antheil des unverkümmert fortblühenden geistigen Lebens an der Erhebung, Erhaltung und Yersittlichung der Gemeinde nicht hoch genug angeschlagen werden. Alle geistige Kraft, die nicht der Handel und die Noth des Lebens in Anspruch nahm, ward dem heimischen Wissen, dem angestammten Schriftthum gewidmet; in ihm lag für das Ghetto die Region der Windstille, der Freihafen aller Zuflucht. Es giengen nicht Alle über die Schlagbrücke, die in der Judenstadt wohnten; der Neid derer von Wien konnte in Wahrheit sich nur gegen Wenige richten. Aber die arbeitsamen und geschäftigen Erwerber, die da jeden Morgen ausschwirrten, um den Unterhalt für die Übrigen zu schaffen, die Last für Alle zu tragen, betrachteten die zurückbleibenden dem Studium Hingegebenen nicht als die Drohnen im Bienenkörbe, sondern als ihre geistigen Brodherrn, in der klaren oder dunkeln Empfindung, dass ein edles Wechselverhältniss von Nehmen und Geben hinüber- und herüberwirkte zwischen den Erhaltenden und den Erhaltenen. Wenn das den Juden versperrte öffentliche Leben die Entwickelung bedeutender Persönlichkeiten unter ihnen verhinderte, wenn eine Doppelmauer von aussen wie von innen den Zutritt zu den Wissenschaften der Zeit ihnen wehrte, so war es von der höchsten ף G. Wolf 39.