Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 80)
- Language
- German
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77 Dr Lechmeyer sich bedienen. Dieser erklärte jedoch, an den Bera־ thungen nicht Theil nehmen zu können, da ihn Unwohlsein, aber auch die Thatsache daran verhindere, dass ihm das zur Schöpfung eines gerechten Urtheilsspriiches nothwendige vollständige Aktenmaterial nicht vorgelegt worden sei. Der ängstliche Eechtsfreund mochte dem Bathe in dieser Sache besser entbehrlich scheinen, und so wurden denn die Commissäre am 1. März 1663 angewiesen, in ihre Berathung ohne ihn einzutreten. Die Juden hatten mittlerweile Buhe und durften sich wieder in der Meinung wiegen, dass der kaiserliche Schutz ihnen doch noch zu Gebote stehe. Am 21. Juni 1661 hatte überdies der Kaiser in einem besonderen der Judenschaft von Frankfurt am Main er־ theilten Gnadenbriefe alle ihre alten Privilegien vollauf bestätigt1). Am 28. Juli dieses Jahres war vollends an die von Wien der Befehl ergangen, durch einen öffentlichen Buf in der Stadt verkünden zu lassen, dass die Juden gegen jederlei Tliätlichkeit und Misshand־ lung zu schützen wären, die Christen bei Verfolgungen ihnen ihre Häuser öffnen sollten, Bumormeister und Profoss sich ihrer anzu־ nehmen hätten 2). Nichts liess auf eine Gefahr schliessen, die der jüdischen Sache in Wien von des Kaisers Person her drohe. Der Ernst der Lage, in der das Staatsganze sich befand, war auch keinesweges den Absichten günstig, welche die von Wien gegen die Juden hegten; es war jetzt keine Zeit zu Beibungen im Innern und zu Feindseligkeiten eines Theiles gegen den andern. Der Türke war wieder einmal dem Kaiser furchtbar geworden. Ungarn stand fast ganz und mit den wichtigsten Festungen unter der Herrschaft des Halbmonds, Montecuculi war vor ihm zurückgewichen und im Juli 1663 stieg die Gefahr bis auf den Punkt, dass man die Noth־ wendigkeit fühlte, Wien von Neuem zu befestigen. Wieder wie in der Schwedenzeit wurden die Bewohner zum Festungsbau aufgeboten; es galt, alle Kräfte anzuspannen zum Schutze der Kaiserst-adt. Da mochten auch die Juden nicht Zurückbleiben. Uberbür־ det und ausgesogen, wie sie waren, liessen sie dennoch ein Bollwerk, einen Eavelin3), wie man sagte, aus eigenen Mitteln vor der ב) G. Wolf in Jahrbuch für Israeliten 1858/9, 29 ff. 2) Gr. Wolf, die Juden i. d. L. 38. 8) Nach dem Gesuche der Wiener Judenschaft an den Kaiser im Kürst Lobkowitz'sehen Archiv zu Baudnitz; Ygl. auch Weschel 276.