Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 76)
- Language
- German
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73 Zwecke diese Beschreibung dienen solle. Man erhielt am 14. Juni die verzweifelt lakonische Antwort, dass man »zu pariren und zu mehrer Ernstlicher compellirung nit vrsach zu geben« habe. Aber auch ein Gesuch an den Kaiser sollte des ersehnten Erfolges entbehren. Wohl erfolgte eine kaiserliche Resolution, die den von der niederösterreichischen Regierung angeordneten Stillstand bekräftigte, wohl hatte die Gemeinde die eingebildete Genugthuung, die von Wien auf diesen Akt des Kaisers verweisen zu kommen, aber ihr Angebot, die gewünschte Beschreibung selber durch die deputirten Organe nach genauer Namensbezeichnung der Besitzer vornehmen zu lassen, wenn nur der Hausfriedensbruch, alle Zimmer eröffnen zu müssen, ihnen erspart bliebe, wurde keiner Berücksiclitigung gewürdigt und am .19. Juni sofort brüsk mit der Bernerkung zurückgewiesen, der erwirkte Stillstand beziehe sich auf die vorzunehmende Beschreibung nicht. Man war entschlossen, alle weiteren Verhandlungen kurzer Hand abzuschneiden und auf dem einmal betretenen Wege der Gewaltsich auch von behördlichen Einsprachen nicht aufhalten zu lassen. Nur die Anwesenheit des Kaisers und der Hofämter in Wien, von denen die Juden gegen einen Überfall sofortiger Hülfe sicher waren, standen der Ausführung der angedrohten Massregeln noch entgegen. Kaum hatte aber der Kaiser die Stadt verlassen, als man am 23. Juni keinen Augenblick länger zögerte, ins Ghetto einzubrechen. Denn nicht eine friedliche Amtshandlung, sondern ein feindlicher Raubzug war es, was sich da vorbereitete. Muske-* tiere waren aufgeboten worden, um die drei Commissäre der Stadt Georg Erötschl, Sebastian Feichtner und den Stadtgrundschreiber Georg Popper, alle drei vom äussern Rath, ferner die Richter und Geschworenen vom untern Wörth, die Steuerdiener aus dem Stubenviertel, wie auch die verordneten Werk-, Beschau- und Schätzmeiste!* in die Judenstadt zu ihrem Vorhaben zu begleiten. Man war daselbst so übel berathen, auf die kaiserliche Resolution zu pochen und die vornehmeren Häuser zu verschliessen. Alsbald brach der Sturm los. Thore und Thüren wurden aufgesprengt, Fenster ausgehoben, Gitter ausgerissen, die Häuser vom Keller bis zum Dach durchwühlt, alle Räume abgesucht, als gälte es eine Schatzung, nicht eine Schätzung. Knirschend, aber ohnmächtig mussten die Vergewaltigten den Einbruch geschehen lassen; als der Abend