Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 73)
- Language
- German
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70 Wiener Freunde vermissten ihn schwer. Menachein Sondel hätte ihn, wie er ihm schreibt, gar zu gern dabei haben mögen, als der berühmte B. Heschel aus Lublin am Sabbat den 6. April 1658 einen seiner glänzenden Gastvorträge hielt. Noch im Alter erwärmte Wagenseil bei der Erinnerung an den vertrauten Umgang, den er mit den gelehrten Juden Wiens hatte pflegen dürfen. Aber von dieser ahnungslosen tiefgesättigten Sicherheit des geistigen Lebens stach grausam die Gefahr ab, die von aussen die G emeinde umlauerte. Bald deutete der Wetterwinkel über dem Bathhause, der für die Judenstadt massgebend war, auf Sturm. Noch waren nicht vier Jahre vergangen, seitdem der Vertrag vom 18. Dezember 1655 in Kraft getreten war, alle alten Forderungen schienen vergessen und erloschen, der Stillstand der Execution, den die nieder österreichische Landesregierung durch ihre Commission angeordnet hatte, war noch nicht aufgehoben, als die von Wien bereits von Neuem darauf sannen, die Judenschaft durch Auflagen zu beschweren und aus ihrer Buhe aufzuscheuchen. Man hatte behufs der Contumaz in Pestgefahren auf den Tabor hinaus einen neuen Grund emvorben, ein Haus mit einem Garten, welche die Genieinde in Folge mannigfacher Umstände als steuerfrei betrachten zu dürfen glaubte, zumal die Commission von 1655 ihr dieselben bereits eingeantwortet hatte 1). Statt sie jedoch aus dem Irrthum durch eine Ermahnung herauszuführen, überraschte sie der Steuerhändler sofort durch militärische Execution, indem er in das angekaufte Haus vier Musketiere mit einem Gefreiten und in die Wohnung des Monatsrichters vier Musketiere mit einem Korporal einlegte 2). Wie sehr die Gegenvorstellungen der Gemeinde begründet waren, beweist die Thatsache, dass die auf die Bitte der Judenschaft vom Stadtrath entsendete Commission die Steuerforderung auf die Hälfte ermässigte 3). Doch war diese Quälerei nur das Vorspiel zu dem Hauptschlage, den man gegen die Gemeinde führen wollte. ב) Nadi der!Resolution der Stadt vom 28. November 1659 und vom 15. September 1660 an den Steuerliandler und nacli der!Relation desselben vom 16. November 1660 im Archiv der Stadt Wien a. a. 0. '2) Nacli dem Gesuch der Judenscliaft an den Stadtratli, worauf dieser am 28. Nov. 1659 den Steuerliandler zu berichten anweist a. a. 0. s) Nach der!Relation des Steuerhandlers vom 16 Nov. 1660 a. a. 0,