Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 67)
- Language
- German
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64 11er Gemeinde hatte nicht einmal vor ihnen die üppigeren Phrasen voraus. Die Behörden werden angewiesen, gegen Thätlichkeiten jeder Art sie zu schützen und ihr Recht ihnen werden zu lassen, in ihren religiösen Angelegenheiten dagegen sowie in allen bürgerlichen Streitigkeiten gehören sie zu dem Forum des Wiener Rabbinates* Hirschei Meyer blieb nach wie vor ihr Steuereinnehmer. Als sein Yertrag mit der Regierung abgelaufen war, erhielt er dies Amt unter den unverändert gleichen Bedingungen neuerdings bis Ende 1660 auf vier Jahre. Das Intimationsdecretג) vom 17. März 1657, durch das ihm seine neuerliche Bestätigung durch des Kaisers Gnade mitgetheilt wurde, sollte eine der letzten Regierungshandlungen Ferdinand’s III. überhaupt, in Sachen der Juden sicher die letzte werden. Körperliche und seelische Leiden hatten die einst vielverheissende Kraft des Kaisers vor der Zeit aufgezehrt. Vergebens hatte er Ferdinand IY. am 18. Juni 1653 zu Regensburg krönen lassen; 21 Jahre zählte der Thronfolger, als ihn am 9. Juli 1654 die Blattern hinwegrafften. Aber die Wahl seines jüngeren Sohnes Leopold bei den Kurfürsten durchzusetzen, blieb dem Vater keine Zeit. Wohl vermochte er noch, 1655 dem fünfzehnjährigen Prinzen die Krone von Ungarn und 1656 die von Böhmen aufs Haupt setzen zu lassen, aber ihn, wie er so gerne gemocht hätte, als römischen König gekrönt zu sehen, sollte ihm versagt bleiben. Der lähmende Schrecken ob eines Brandes, der plötzlich im Krankenzimmer des Kaisers ausbrach, führte in der Nacht vom 2. auf den 3. April 1657 seinen frühzeitigen Tod herbei. Den Juden Wiens und Niederösterreichs mochten die letzten Akte der kaiserlichen Huld jetzt wie ein freundliches Abendroth nach einem trüben Tage erscheinen. Jetzt war es wieder einmal für sie Nacht geworden. Denn ob sie auch sich damals noch nicht hatten schmeicheln können, an einem Kaiser zu besitzen, so war es ihnen doch vor Allen gegeben, in ihm zu verlieren. Er hatte die von seinem Vater gegründete Wiener Judenstadt geschützt, nicht aus Gnade, sondern als Freund geordneter Finanzen, aber es war genug, dass er dem Staatsinteresse die Berechtigung zuerkannte, um seinetwillen selbst Juden zu dulden. Eben hatte er ihre Privi- ג) Archiv der Hofkammer a. a. 0.