Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 52)
- Language
- German
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49 bewohners Juda Lob Kremsier 1). Wiewohl das Opfer eine Jüdin war, sollten doch die Juden den Mord angestiftet haben. Die Anbaltspunkte dieser imgeheiierlichen Verdächtigung sind völlig in Dunkel gehüllt, aber die Wellenringe der aufgeregten öffentlichen Meinung zeigen, dass es einen schweren Dali gethan haben musste. 500 Dukaten wurden durch ein öffentliches Patent dem Entdecker, 2000 fl. und Straflosigkeit dem Thäter zugesichert, wenn er sich selber stellte. Kein Schatten von Schuld kam zu Tage, aber ein todeswürdiges Verbrechen belastete dennoch die Judenschaft: Hirschei Meyer, ihr Vorsteher, hatte durch zweideutiges Benehmen oder gar offene Denunciation unbequemer Gegner in der Gemeinde sich dadurch entledigen wollen, dass er sie des Einverständnisses mit dem Mörder bezichtigte. Verhaftbefehle ergiengen gegen die angesehensten Männer im Ghetto, die nur gegen schwere Bürgschäften und hohe Summen es erwirkten, dass sie auf freien Fuss gesetzt wurden. Der am Hofe allmächtige Elende scheint auch seine Hand im Spiele gehabt zu haben, als die Wahl neuer ]Richter der Gemeinde gegen das kaiserliche Privilegium versagt und erst gegen ein Versprechen von 3000 Gulden bewilligt wurde, die der Hofzahlmeister am 15. Mai 1652 einzuheben und bis auf besondereu Befehl des Kaisers bei seinem Amte aufzubewahren bereits angewiesen war 2). Auch war die neue Massregel über sie verhängt worden, die Wahl im Beisein christlicher Commissäre vorzunehmen. Aber es stand mehr in Frage als eine Wahl; des Kaisers Unwille war erregt worden; es fehlte nicht an Hetzern und Wiihlern, die jetzt die Zeit für einen Stoss gegen die Judenschaft gekommen glaubten. Das Schwert hieng über der Gemeinde. Ihre Büeher und Akten waren in Beschlag gelegt worden; eine besondere Inquisitionscommission 3) tagte, um die Beschwerden Einzelner gegen die Steuergebahrung auf Grund des saisirten Schriftenbestandes zu prüfen. Auf Wohlwollen war nicht zu rechnen; hier galt jede Klage als Verschuldung, die durch Hirschei Meyer gestiftete ג) Ich glaube nicht felilzugehen, ־wenn ich in dem lakonischen Epitaph Inschriften Nv. 186: פ״מ לאה בת יהודה ליב קדמזיר יום א׳ י״ב אדר תי״א לבי״ק die Grabschrift der ermordeten Leonore erkenne. 2) K. k. Hofkammer־Archiv. 3) G. Wolf 31 f. erblickt in dieser Massregel, die einfach eine Untersnchung der Gemeindebücher betraf, irrthümlieh die Censur jüdischer Schriften. Kaufmann: die letzte Vertreibung4 .־