Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 51)
- Language
- German
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48 der Juden die Besteuerung in der Gemeinde der fette Boden, auf dem die Sumpfpflanzen der Parteilichkeit und Angeberei üppig wucherten. Die Stellung der Vorsteher und Einnehmer war keine beneidenswertke. Weil der Druck, dessen Organe sie waren, von ihnen auszugehen' schien, hatten sie Hass und Auflehnung zu dulden, die sich, tköricht genug, aber menschlich und verständlich, gegen das Werkzeug richteten, weil die Hand, die es führte, unerreichbar war. So verschlimmerten Reibungen und unnöthige Verbitterung die ohnehin trostlose Lage. In kleinen gewalttkätigen Naturen artete auch die Macht, die ihnen an der Spitze solcher Gemeindeämter verliehen wurde, zur Tyrannei aus; der Büttel des Hofmarschall־ amts, der Sklave der Hofkammer geberdete sich den ihm Ausgelieferten gegenüber als Gewalthaber, als Pascha. Solch ein läclierlieher, aber unheilstiftender Gebietiger scheint dem Ghetto von Wien damals in Hirschei Meyer 1j erstanden zu sein. Nach oben hin mächtig, war er der Gemeinde fürchterlich. Bei den Auflagen entfaltete er eben so viel Rücksichtslosigkeit gegen Andere als Schonung für sich selber. Was er zu wenig leistete, sollte den übrigen abgepresst werden. Klagen bei der Behörde waren fruchtlos und machten obendrein noch missliebig. Die Stadt wie der Staat bestanden auf ihren Forderungen. Die Hofkammer hatte eine neue Praxis eingeführt. Wenn ein Zahlungstermin der Abgaben nicht eingehalten werden konnte, wurde den Juden die innere Stadt gesperrt, d. h. der Zugang zu ihrem Erwerb abgeschnitten. Die Bevölkerung war immer schwieriger und gehässiger geworden; keine Erziehung wirkt schneller als die zur Verwilderung der Sitten. Und wie in aufgeregten Zeiten nicht Wunder geschehen, aber Wunder geglaubt werden, so fehlte es jetzt nicht an Zeichen der unerhörten jüdischen Sündhaftigkeit, nicht weil sie geschahen, sondem weil sie gebraucht wurden. Sonntag den 5. März 1651 fielen am rotken Thurm in der Nähe der Aufzugbrücke zwei Schüsse, die ein Reiter auf eine des Weges kommende Jüdin abgegeben hatte. Die zu Tode getroffene war »die vornehme und Jedermann wohlbekannte« Eleonora 2), wie ich vermuthe, die Tochter des Ghetto- נ) Ich stütze mich in dieser ganzen Darstellung auf die in der kaiserlichen Resolution vom 6. August 1652 enthaltenen Angaben. *) Schudt II. * *185 : G. Wolf a. a. 0. 32 f.