Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 48)
- Language
- German
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im Ghetto von Wien gesessen, schwere und gefährliche Zeiten hatte man über standen, aber in den inneren Bereich der Ringmauer hatte nie ein feindlicher Arm gegriffen, den Gottesdienst ausser der Pest kein Störer zu unterbrechen gewagt. Jetzt war das letzte Bollwerk vermeintlicher Sicherheit gefallen, die Beunruhigung der Gemüther erreichte den Höhepunkt. Wohl hatte das Obersthofmarschallamt Schutz geboten und dem Werke des Magistrates Einhalt zu thun versucht, allein die Stadt fühlte sich durch dessen Verfügungen nicht gebunden und protestirte gegen seine, wie sie meinte, unbefugten Ein- und Übergriffe, Die Vorsteher wandten sich in ihrer Notli an den Kaiser, den sie um Schutz der Verträge und Aufhe״ bung der städtischen Militärexecution anriefen. Auch baten sie um Einsicht in die von der Stadt an den Kaiser gerichtete Gegen-Eingäbe, um deren Argumenten begegnen und ihre Gegenvorstellungen einbringen zu können. Auf diese Beschwerde wurden zunächst die von Wien zur Gegenäusserung aufgefordert. Bei dieser so er״ wünschten Gelegenheit meinten sie nun denn auch, Nichts von dem zurückhalten zu sollen, was sie seit lange auf dem Herzen hatten. Dass die Juden entgegen dem Buchstaben der Verträge sich zur Leistung auch nicht pfiichtmässiger Abgaben hatten bereit finden lassen und noch 1648 gutwillig solche an die Stadt zahlten, ward jetzt als Waffe gegen sie gebraucht. Weit entfernt, den Gründen der Juden auch nur einen Schein von Berechtigung zuzuerkennen, fordert der Magistrat, der Kaiser wolle seinem Obersthofmarschall fernere Übergriffe in die Jurisdiction und das Besteuerungsrecht der Stadt, unter deren Botmässigkeit die Juden im untern Wörth stehen, gemessen verweisen und kraft seiner kaiserlichen Macht״ Vollkommenheit den der Stadt abträglichen Vergleich von 1626 einfach aufheben. Den Beitrag zur schwedischen Satisfaction hätten die Juden übrigens nicht für ihre Häuser, sondern für die Gewölbe, Handlungen, Privilegien und Hoffreiheiten geleistet, »deren Sye mit ihrem höchsten Vorthl zum eusseristen verderben der armen Bürgerschafft ganz ruehig vnnd mit sonderbarem Schutz geniiessen, derentwegen Wür vnnss auch schon zum öffttern bey Eii er Kays er 1. Majestät allervnterthenigst b es ch war dt haben«1). Der Bericht, zu dem man aufgefordert worden, war in eine Anklage umgeschlagen. Der Magistrat