Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 44)
- Language
- German
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41 einer beschränkten Anzahl der ihnen einzuräumenden Gewölbe war in der Urkunde keine Rede mehr. Nur Ein Punkt ihres Bittgesuches war unberücksichtigt geblieben, das sogenannte eiligestellte jüdische Interesse. Es sollte ihnen also weiter verwehrt bleiben, auf Pfänder zu leihen, obwohl es bei dem Mangel von Banken und öffentlichen Pfandleihanstalten glaublich erscheint, was sie für sich anführten, dass »das er weilte Interesse den armen Hantwerckhsleuthen zu Yortpflanzung Ihres Gewerbs ganz erspriesslich«. Aber die steigende Kriegsnoth scheint die Ausfolgung dieses Guadenbriefes für den Augenblick verhindert zu haben. Die kaiserliche Armee war am 5. März 1645 bei Jankau in Böhmen zertriimmert worden, einen Monat später erscholl in der Hauptstadt Wien der Schreckensruf: die Schweden vor den Thoren. Tom Lande herein und wohl auch aus Mähren flüchtete sich die geängstigte Bevölkerung nach der befestigten Stadt. Auch das Ghetto von Wien war überfüllt von jüdischen Flüchtlingen; es war ein trauriges■ Passafest, das innerhalb der Ringmauer gefeiert wurde 1). Wenn die Stadt fiel, dann war der untere Wörth vor Allem geliefert; die Schreckensbilder aus der Judengasse von Kremsier sehritten wie Vorahnungen und Gespenster durch die Gassen des Wiener Ghetto’s. Die Noth war aufs Höchste gestiegen; ein Bollwerk Wien’s, der Brückenkopf an der Wolfsschanze, war in der Nacht vom 9. auf den 10. April in die Hand des Feindes gefallen2). Torstensohn lag vor der Stadt, Räköczy stand in Pressburg, die schwedischen Geschütze bestrichen bereits die Vororte. Da ward durch die plötzliche Umkehr des Belagerers am 14. April die verzweifelte Stadt gerettet, in der jeder Bewohner sich bereits für ein Jahr mit Lebensmitteln hatte vorsehen müssen. Der Feind war abgezogen, aber der Jammer der unerseliwingliehen Auflagen und Forderungen war zurückgeblieben. Ein Prozess der Wiener Gemeinde aus jenen Tagen gewährt einen Blick in die trostlose Armseligkeit ihres Ghetto's. Die Vorsteher hatten nur Eine Sorge, die ausserordentliche Kriegssteuer hereinzubringen, die ihnen auferlegt worden war. Jeder Flüchtling, der dazu steuern konnte, wurde herangezogen, jedes Gemeindemitglied von Neuem darauf angesehen, ob es noch weitere Aderlässe auszuhal- צמד! צדק (ו a. a. 0. 2) K Weiss U, 55 f.: Vehse 10, 176.