Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 42)
- Language
- German
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heit gerade zu Gute gekommen sein, deren Schutzbedürftigkeit wieder einmal und seit dem Bestände der neuen Judenstadt eigentlieh zum ersten Male so recht greifbar zu Tage kam. Es war auch nicht die Zeit, Unruhen und Aufruhr im Innern, selbst wenn nur Juden davon betroffen wurden, geduldig hinzunehmen. Die Bevölkerung sollte vielmehr Zusammenhalten; es galt, alle Kräfte wider den Feind anzuspannen. In keiner Phase des grossen länderverheerenden Krieges, dessen Erbschaft Ferdinand III. angetreten hatte, war Österreich so furchtbar auf seinem eigenen Boden heimgesucht worden wie jetzt. Jeden Augenblick konnte der Angriff auf das Herz der Monarchie, auf Wien erfolgen; Torstensohns Vorposten waren eben in der Nähe erschienen. Es war nur ein kurzer Aufschub, welcher der Hauptstadt gegönnt wurde. Am 2. November 1642 war die Heeresmacht Österreichs unter des Kaisers Bruder, dem Erzherzog- Bischof Leopold Wilhelm, und Piccolomini bei Breitenfeld aufs Haupt geschlagen worden; der Rückstrom der schwedischen Armee in die offen daliegenden Kronländer konnte stündlich erwartet werden. Schreckensposten flogen nach Wien; die jüdische Gemeinde erbebte doppelt. Ihre Glaubensgenossen in Mähren hatte der eherne Fuss des Eroberers vor Allen zertreten. Bussgebete stiegen in den mährischen Synagogen zum Himmel empor 1)7 das Blutbad von Kremsier verbreitete Entsetzen in allen jüdischen Gemüthern. Dort hatte Freitag Mittag am 23. Juni 1643 der Zorn des schwedischen Belagerers sie vor Allem in ihrem Ghetto hart an der erstürmten Mauer ereilt2)* Anfangs Juli tauchten Wrangels Beiter bereits vor den Donaubrücken Wiens auf. Wohl gelang es der Staatskunst, die Schweden in den dänischen Krieg zu stürzen und ihre Armeen zum Abzug nach dem Norden zu zwingen. Allein wieder war die Gefahr nur aufgeschoben. Botschaften von den Siegen der Schweden verkündeten ihre neue, diesmal noch furchtbarere Herankunft. Die Armee des Kaisers hatte sich wieder auf Österreich!־ sehen Boden vor ihnen zurückgezogen, wieder lag das Land vor ihnen offen. Unerhörte Opfer an Blut und Gut wurden gefordert, נ) Zunz, Literaturgeschichte der synagogalen Poesie. 432, 435, 437 f. Simson Bacharaclrs Selicha wird noch heute in Leipnik am 17 .Tammus recitirt. 2) Zunz, die synagogale Poesie des Mittelalters 343, Em. Baumgarten in M. E. Stern'* ככבי יצחק (Wien 1851) Heft 14, 80 ff.