Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 41)
- Language
- German
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ersten Opfer der so blutdürstig angestachelten Volkswuth. Mit Schlägen und Stössen und Steimvürfen gieng es wider die Unglücklichen, Blutspuren und Leichen1) bezeiclineten den Weg ihrer Flucht■; kaum war die aufgebotene Miliz im Stande, die entfesselte Meute zu bewältigen. Die beiden Spiessgesellen mussten des ergrimmten Pöbels wegen bei eingebrochener Nacht• gerichtet werden; Engelberger wurde erst vier Tage später, angeblich absichtlich am Sabbat »zu der Zeit, da die andern ihre Abgötterey verrichteten« 2), am 26. August 1642 der Prozess gemacht. »Das Trauerspiel jesuitisch schön zu beschliessen« 3), wurde der reumüthige Unheilstifter auf dem Hochwagen an vier Plätzen der Stadt Wien mit glühenden Zangen an der Brust gezwickt, und nachdem aus seinem Bücken zwei Riemen geschnitten und gerissen worden, von einem Pferde auf einer Schleife zur Richtstätte gezerrt, wo ihm die rechte Hand abgehauen, die halbe Zunge ausgeschnitten und der verstümmelte Leib, zwischen zwei nach ihm schnappenden Hunden, wie es für Juden Henkersbrauch war, mit dem Kopfe nach unten aufgehängt, mitsammt dem Galgen lebend bei langsamen Feuer verbrannt wurde 4). Mit dem Stumpf der Rechten soll er aber nicht aufgehört haben, so lange noch Leben in ihm war, an die wunde Brust zu schlagen, wie auch aus seinem Munde dumpfe Jammerlaute drangen, aus denen in hebräischer Sprache die Worte vernehmlich waren: So sei denn mein Tod meine Sühne 5). Seine Asche streute der Henker in die Donau, das Gedächtniss des Frevels aber ward auf zwei rothen Marmortafeln in lateinischem und deutschem Lapidarstil an der rechten Stiege des Richtamts oder der Schranne auf dem Hohen Markte zu Wien verewigt 6). Allein die Wuthausbrüche des verhetzten Pöbels, die einzelnen Juden so verderblich geworden waren, mochten der Gesammt- ב) Bei Wühnann a. a. 0. 266 lautet dev Bericht: »Worüber sieb denn ein Tumult erhoben, dass etliche Juden erschlagen und ihre Häuser geplündert wurden.« 2)Ib. s) Nach einem Ausdrucke Senkenberg's beiHurter 10,112 n. 74. 4) Nachdem Justifications-Protokollsauszugbei Schlager II, 125 f*. 5) Vgl. J. Chr. WagenseiVs Belehrung der Jüdiscli-Teutschen Bed- und Schreibart Fürtrag [f. 17b]. c) Jakob Sturm, Ehrenkranz der Stadt Wien 1659 ed. Th. G. v. Karajan p. 59 f. Auch Schudt a. a. 0. 93* f. theilt den Wortlaut der Inschriften mit. Hiernach ist bei Sturm 60 für contempti zu lesen contemtim, excussa lingua exeissa. für ans dem Backen aus dem Bachen.