Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 37)
- Language
- German
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34 denen Richter und Beisitzer so schweren Herzens sich verstanden. Aber ihre plötzliche Bereitwilligkeit entbehrte des gehofften Erfolges. Bereits am 15. April 1637 ergieng an den neuen Kaiser die ständige Zubehör eines Regierungsantrittes in Österreich das G־esuch derer von Wien1) um Bandisirung der Juden aus dem ganzen Lande oder doch wenigstens Ausschaffung aus der Stadt und einem Bannkreis von drei Meilen Weges. Die Stetigkeit, mit der die aufgezählten Gründe dieser Bitte wiederkehren, lassen fast an ein Formelbuch der Magistratskanzlei für solche Schriftstücke glauben. Aber Ausdrücke, die unter Ferdinand II. zurückgehalten wurden, wagten sich jetzt in einem Gesuch an des Kaisers Majestät-hervor, die Juden hiessen wieder amtlich die heillosen, die vermaledeiten und zu grösserer Beurkundung von Religiosität und Liebe ward von den Gotteshäusern der Juden als von »ihren viehischen Synagogischen speluncen« gesprochen2). Man wagte, dem Kaiser vorzureden, die Juden, denen im selben Athem ob der Enge ihrer Wohnungen und ihres Handels mit Lumpen an der Ausbreitung der Pest Schuld gegeben wird, »imaginiren« bereits, ihr durch Gottes gerechte Strafe verlorenes Reich in Wien aufzurichten; ihre Leistungen für den Staatsschatz sollten als Raub an den Christen gelten. Nach dieser volkswirtschaftlichen Weisheit war Gewinn durch Handel Diebstahl, Gold durch einen offenbar jüdischen Stein der Weisen nur aus christlichem Schweiss und Blut zu bereiten. Dass die Juden sich des Betteins schämen, keine Bettler zu den Christen gehen lassen, zeugt nur gegen sie und für ihre Reichthümer. Aus Furcht, diese Argumente könnten nicht verfangen, beschliessen die angeblichen Lästerungen der Juden gegen das Christenthum wirk־־ sam den Reigen. Nachdem so die Juden durch Aufsaugung aller Reichthümer, durch Verbreitung der Pest, durch Anfeindung der Religion als Verheerer von Stadt und Land genügend gekennzeichnet waren, konnte die Forderung ihrer Ausschaffung nur begründet und massig erscheinen. Aber der Kaiser war nicht gewillt, »ein unsterbliches Lob und Gedechtnuss,« das ihm zum Schlüsse in Aussicht gestellt wurde, durch solche That sich zu sichern. Man wusste auch bei Hofe, dass נ) Gr. Wolf} Geschichte 261 ff.; Schlager p. 83 n. 17 kennt diese Besch־Werbeschriftaus cod. ree. 691 der k. k. Hofbibi ו othek. 2) G. Wolf ib. 265.