Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 34)
- Language
- German
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31 1632 zurückgewiesen 1). Es schien ihm cler Schranken genug, die um die Judenschaft gezogen waren; .weitere Erniedrigung widersprach dem Schutze, den sein kaiserliches Wort gewährleistet hatte. Eines allein liess keinerlei Ausnahmen für Juden gelten — die Pest. Yon den Krankheiten, unter denen ganz besonders die Blattern damals Wien häufig heimsuchten und selbst in der kaiserliehen Familie ihre Opfer holten, ist auch auf das Ghetto ein gerütteltes Mass gefallen. Die Dichte der Bevölkerung in der Enge, zu der man sie veurtheilt hatte, die Kleinheit der Wohnräume mag auch nicht wenig zur Verbreitung der Krankheitserreger beigetragen haben. Die Infectionsordnung 2) von 1630 hatte sich nicht wirksam erwiesen. Im Vorfrühling des Jahres 1634 war eine Sterblichkeit unter den Kindern ausgebrochen, die auch Verzweiflung und Verheerung in die Familien der Judenstadt trug. Aus jenen trüben Tagen hat sich in den Gebetcyden der jüdischen Gemeinden Osterreichs ein Bussgedicht erhalten, das Simeon Auerbach3), der 23jährige Sohn des angesehenen Meschullam Salman, der Enkel Leo Lucermvs, aus der Tiefe seines gläubigen und schmerzergriffenen Herzens für die Wiener Gemeinde emporsteigen liess. Jung und demütliigen Sinnes, wie er war, hatte er das Gebet der Gemeinde empfehlen ־wollen, das er bei gleichem Anlasse, als er noch die Talmudschulen von Krakau4) besuchte, dort im Gebrauche gefunden hatte, ein Busslied seines Lehrers Mose b. B,. Mendel Bacharach’s 5), aber es war nicht zu beschaffen und die Koth war gross. In dieser Seelenangst der Gemeinde fand er den Muth, selbstständig mit einem eigenen Bussliede hervorzutreten. In bewegenden Worten führt er den Büssern das ganze Heer von Verschuldigungen vor Augen, auf die er in dem fast unabsehbaren Bereiche des alten Schriftthums Kindersterblichkeit als Strafe gesetzt fand. Am J) Hurt er X, 139; Gr. Wolf ן G-escliiclite 46. 2) Hurt er X, 133. 8j '23=17—40) כ״ כל טו״ב חסרתי מימי הביג) bemerkt er selber in der Vorrede seines Gedichtes, das mir nur in der von Salman Fiscbbof Frankfurt a/M. 1711 besorgten Ausgabe סליחה מגובהה vorliegt. *) Er nennt aueb Xatlian Spira seinen Lebrer f. 1, 3a; s. J. M. Zunz 52 עיר הצדק ff. 5) S. Hock in Gal-Ed 69 f.; Zunz, LG. 430; Herles, Gescbiebte der Juden in Posen 77 n. 32; Horovitz, Frankfurter Eabbinen I, 34 n. 3, 44.