Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3122061-3122082--1506-3123682- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
28 reits' durch Matthias privilegirt worden war, das höchste Ansehen in der Gemeinde. Aber die besten Männer und die trefflichste Leitung hätten das Giftkraut der Zwietracht und der Unzufriedenheit, das von vornherein unter die gute Saat gemischt worden war, nicht zu ersticken vermocht. Ihre Gemeindelasten und städtischen Abgaben ungerechnet, hatte die Judenschaft von Wien an die Hofkammer eine jährliche Auflage von 10,000 Gulden zu leisten. Die Yertheilung und Eintreibung dieser Steuer hatte man den Juden selber überlassen, deren ־Vorsteher also neben der Last auch noch die Gehässigkeit zu tragen hatten. Wohl hiess es, dass zur Aufbringung der fast unerschwinglichen Summe auch die auf dem Lande wolinenden Juden heranzuziehen seien, allein diese glaubten, von ihren Grundobrigkeiten hinreichend beladen, diese Steuer mit Eug den Wienern allein überlassen zu dürfen. Aber auch in Wien selber wurden Ausflüchte gesucht und gefunden, der Beitragspflicht sich zu entziehen, die Viele, weil sie nur ihre unmittelbaren Dränger sahen, als eine willkürliche Härte ihrer Vorsteher widersetzlich von sich wiesen. Die Aeltesten mochten oft ob dieses ihres Amtsgeschäftes verzweifeln. Denn die Ebbe der österreichischen Staatskasse duldete keine Säumigkeit, keinen Steuerrückstand. Zudem war die Geldnoth gerade jetzt aufs Höchste gestiegen. Gustav Adolf war in Deutschland erschienen, alle Errungenschaften der kaiserlichen Hausmacht wie der Kirche waren in Frage gestellt, Wallenstein mit seiner geldverschlingenden Armada musste als!Retter in der Noth unter den drückendsten Bedingungen zu Hülfe gerufen, Geld um jeden Preis beschafft werden, Stiftungen und Hinterlassenschaften sollten ihr Kapital herausgeben *), eine allgemeine Vermögenssteuer traf Hohe und Niedrige; die Juden durften nicht Zurückbleiben * 2). Der Kaiser sah ein, dass ihre Vorsteher auch der üblichen Rechtsmittel nicht entbehren durften, wenn sie für die Einlösung seiner Forderungen bürgen sollten. Gern gab er daher am 23. November 1632 ihrem Gesuche Folge, auch in der Wiener Judenstadt, wie es bereits in Prag und anderer Orten ב) K. Weiss. Geschichte der Stadt Wien II. 51 : Hitrter VIII. 245 f.. X. 492 : Vehse 9. 303. 2) Nach Gr. Wolf, Geschichte 46 ward den Juden von Wien am 28. Dez. 1632 noch überdies aufgetragen. 15,000 Gulden als besondere Steuer zu erlegen.