Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
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21 niemals die Liebe vergessen-, die sie ihm so treu bewahrt und bewährt hatte. Jetzt war der Kaiser um so leichter zu überzeugen, dass gegen •den Glaubenstrotz der Juden Etwas versucht werden müsse. Wie man soeben gegen das unschuldige Buch Hellers nach dem Muster und den Becepten der römischen Index-Congregation verfahren war., so sollte jetzt ein anderes Vorbild aus Born, das Lamormaini und Khlesl in lebhafter Erinnerung hatten, in Österreich Nachahinung finden, die Missionspredigt unter den Juden. Die »gottselige Intention« zu dieser Einrichtung hatte der Kaiser alsbald ge־ fasst, es handelte sich nur darum, sie aufs Beste ins Werk zu setzen. Man dachte daran, dass die Juden selber das Lokal für die neue Bekehrungsanstalt hergeben sollten, Khlesl hatte sogar den kostbaren Einfall, die Wiener Universität solle ein Auditorium dazu einräumen, bis man endlich nach langen vergeblichen Verhandlungen in dem eben neu erbauten langen Gange im Kloster der barmherzigen Brüder die gesuchte Unterkunft fand. Die Copie war jetzt vollkommen. Wie in Born am Ausgang des Ghetto die Kirche stand, in der den Juden das Evangelium gewaltsam gepredigt wurde, so lag in Wien die Stätte der Bekehrungspredigt fortan hart vor der neuen Judenstadt im untern Wörth. Der Kaiser nahm die Sorge um diese Angelegenheit mit auf den Kurfürstentag nach Begensbürg, wohin er am 27. Mai 1630 von Wien aus sich begeben hatte. In den Tagen, da er dazu genöthigt wurde, durch die Absetzung Wallensteins mit eigener Hand den Grundpfeiler seiner Hausmacht umzustürzen, da die ernstesten Staatsgeschäfte ihn in Anspruch nahmen, fanden seine Gedanken Zeit, der Bekehrung der Juden nachzuhängen. Am 18. August liess er nach Prag 2) den Befehl ergehen, allsonnabendlich zweihundert Juden, zur Hälfte oder wenigstens zum Drittel Fraiien, darunter von der Jugend beider Geschlechter zwischen 15 und 20 Jahren höchstens vierzig, in die נ) J. F. v. Hermann, Geschichte der Israeliten in.Böhmen 55 f. Xacli Hermann 56 war es Wallenstein, der die Strafsumme der Prager Juden von 10,000 Gulden, an die der sog. Vorhang-Purim erinnert, zur Erziehung bekehrter jüdischer Kinder den Jesuiten zuwies. In der hehr. Megilla dieses Purim heisst Waldstein jedoch Rudolfs. Gr ätz X, 51 n. 1 und A. Kisch in der Grätz- Jubelchrift 50. Über die Bekehrungspredigten vgl. Schuät. jüdische Merckwür- •digkeiten I, 244 — 51, Zunz a. a. O. 339.