Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
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19 verschworen hatte, den Kopf aber für sich und seine Regierung behielt. In seinen Gnadenakten gegen die Juden war er nicht irre zu machen. Angriffe durften sich nur auf ihren Glauben, ihre Verblendung, wie man sagte, richten, ihre Rechte schirmte er unerschütterlich. Dass sie nicht wider die Lehre der Kirche mit Wort ©יי oder That sich vermassen, war selbstverständliche Voraussetzung 1). Da kam aus Prag die Anzeige, der frühere, erste Rabbiner der neuen Wiener Judenstadt, Liepmann Heller, habe in einem Werke den Christenglauben gelästert. Unverzüglich ergieng der Haftbefehl, ihn in Ketten nach Wien zu bringen; so lautete die Weisung. Die Huld des Kaisers hatte nur Eine Schranke, die Heiligkeit seines Glaubens; Hellers Leben war verwirkt, wenn nicht ein Wunder geschah. Der Jammer bei seinem Abschiede brach von Neuem aus, als man so in Wien ihn wiedersah. In den vierzig Tagen seiner Haft waren die Bemühungen und Opfer seiner früheren Gemeinde im Dienste seiner Rettung sein einziger Trost. Der Liebe Mühe war nicht vergeblich; seine Befreiung ist ein Denkmal für die Hingebung, aber auch für den Einfluss der Wiener Gemeinde. Ohne Schatten einer Schuld, war er gleichwohl nur gegen ein Bussgeld von erdrückender Schwere zu retten. Man hatte dem Hofkanzler Werdenberg und dem Geheimen Rathe den Glauben beigebracht, dass durch diesen Fall Reichthümer von der Judenschaft abzupressen wären. Zwei der reichsten jüdischen Familien Osterreichs, die des damals bereits verstorbenen Koppel Mirels-Hellers, d. i. Frankels in Wien, und Jakob Bassewi’s, des Glinstlings des Kaisers in Prag, standen zu Heller in verwandtschaftlichen Bezieliungen. Abraham Bassewi, der Sohn Jakobs, hatte nemlich 1616 bereits eine Tochter Fränkels 2) heimgeführt, und AronFränkel3), der ג) Juspa Sahn יוסף אומץ f. 171; Gr ätz X. 45 11. 1; Zunz, die synagogale Poesie des Mittelalters 342. s) Sorel Bassewi starb, wie ich S. Sock’s handschriftlichen Notizen entnehme, Freitag 16. Tammus 1660; Gal-Ed Nr. 128. 3) Aron Mir eis Lewi Heller starb als vornehmer und begüteter Mann 1649 in Wien; er ist es, dessen Epitaph ich in Nr. 177 der Wiener Inschriften erkenne. Seine Gattin Nechele war ihm bereits 1632 im Tode vorangegangen ib.Nr. 92. Ihr Sohn, der Namensträger des Grossvaters Frankl, Jakob Koppel, starb Sonnabend 21. Tanunus 1691 als Secretär der Gemeinde Prag (S. Sock). Sein Sohn war der Corrector Abraham Israel, in dessen Hause zu Frankfurt a./O. Juspa Trillinger verkehrte, der auch gelehrte Bemerkungen in seinem Namen 9*