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Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest · 1888-01-01 · [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888) · page 21

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Journal
Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
Volume
[11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
Date
1888-01-01
Page
– (sequence 21)
Language
German
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/ 18 Umgebung; er ahnte nicht, dass es ein schicksalsvoller Entschluss war, zu dem er da so schwer sich aufraffte. Das Jahr gieng nicht zu Ende, ohne durch ein neues bedeutungsvolles Ereigniss den Druck der Gemüther im Wiener G-hetto noch zu steigern. Wohl hatte am 13. Juli 1627 die Gemeinde den Triumph, die Bitten ihrer Aeltesten um Schutz für die Juden von Hanau durch den Kaiser huldreich erfüllen zu sehen, der lediglich auf das Gesuch seiner Wiener Judenschaft den Grafen von Hanau anwies, den Predigern die Absperrung der Judengassen an Sonn- und Feiertagen und die aufwieglerischen Beden zu verbieten 1). Aber Melchior Khlesl war als Bischof von Wien und Neustadt aus Born zurückberufen worden. Der Kaiser selber, der ihn als Erzherzog gewaltsam von seiner Höhe hatte stürzen lassen, lud ihn jetzt zur Bückkehr ein. In dem Jahre, da die Wiener Juden ihr Ghetto bezogen, feierte die Kirche den Schluss des ersten Viertels des Jahrhunderts durch die Aufrichtung der mächtigen Congregation zur Ausbreitung des Glaubens; Khlesl ernannte der Papst sogleich zum Mitglied der neuen Propaganda. In diesem Geiste trat er sein Amt an; kurz vorher hatte er noch zuletzt in Born als Cardinal die Bulle unterzeichnet, die Ignatius von Loyola heilig sprach 2). Wie ein sengender Gluthwind zog die Unduldsamkeit mit ihm ein; konnte er auch die Geschicke des Staates nicht mehr lenken, die Herrschaft über die Herzen der Gläubigen war bald in seinen Händen. Mit Schrecken sahen die Juden die rasche Wendung der Dinge, den Sieg des eroberungssüchtigen Geistes der Bekehrerei. Furchtbare Gerüchte durchschwirrten die Luft. Im Frühjahr 1628 kamen Briefe aus Wien zu den Juden von Frankfurt am Main, die von drohenden Gewaltmassregeln zu berichten wussten. Fromme Bussübungen wurden in den deutschen Gemeinden ausgeschrieben, um das Verhängniss abzuwenden. Allein es sass ein Kaiser auf dem Throne, der sein Herz wohl der Kirche ג) Im k. k. Haus-, Hof- und Staatsarchiv. S. G. Wolf. Ferdinand II, 46. 2) Hammer-JPurgstall, Khlesl’s Lehen IV, 218, 225. Yon einer am 4. Sep- -temker 1627 heim Kaiser eingebrachten!Beschwerde der Kuraten hei St. Stephan, dass die jüdische Tracht »beinahe dem geistlichen Habit gleich formirt« sei, berichtet Dr. Th. Wiedemann in Frankel-Grätz■ Monatsschrift 27, 329. Die Hegend jenseits der Schlagbrücke, wo die Judenstadt lag, gehörte eben zum Distrikt yon St. Stephan s. Weschel p. XXXIX.

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