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Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest · 1888-01-01 · [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888) · page 20

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Journal
Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
Volume
[11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
Date
1888-01-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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IRI
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17 meinde die Kanzel, um über diesen Text zu predigen. Kern und Stern seiner Bede ist der Gedanke der Alten, dass, wer einer Ge־ fahr entgangen war, ein Wunder zu scbauen gewürdigt worden, eine schöpferische That zum Danke leiste, eine segensreiche Einrieh־ tung stifte, eine unversiegliche Quelle fruchtbringender Erinnerung. Auch er w^olle solch ein Gedächtniss stiften, das Andenken des eben erlebten Wunders in der Gemeinde befestigen. Yom morgenden Tage an solle fortan beim Erühgottesdienst, an der Schwelle der Andacht gleichsam, wenn die Gemeinde, die Phylakterien um Haupt und Arm geschlungen, sich eben in die Gebetmäntel gehüllt, das Sittenbuch Ascherfs, sein Testament, gelesen werden. Zu diesem Zwecke hatte er das Büchlein des frommen, seit dem Beginne des vierzehnten Jahrhunderts allverehrten Gesetzeslehrers für die sieben Tage der Woche in 7 Abschnitte getheilt und für Frauen und Un־ kundige in Allen verständliches Deutsch übertragen. Die Heiligkeit des Wortes, die Ehrfurcht vor dem Eide ganz besonders, der nie zum leichtfertigen Lippenwerk herabsinken dürfe, solle die Gemeinde aus diesem Jungbrunnen der Sittlichkeit schlürfen und dauernd sich zu eigen machen. Die grundbohrende Auslegung, das anregende Spiel der Fragen und Lösungen, die Geisteskraft, die wie der Hammer das Gestein in Blitzesfunken das Bibelwort ersprühen lässt, mochte der Prediger mit Anderen theilen; die schlichte Einrichtung, die von dieser Predigt sich herschreibt, kennzeichnet den Mann. In ihm leuchtete das milde Licht sittigender Frömmigkeit, die nicht mit mystischen Übungen oder finsteren Busswerken die Gemeinde beschwerte, sondern um bildende und erhebende Institutionen bereicherte. Aber als hätte die Gemeinde ihn nur kennen lernen sollen, um seinen Verlust zu betrauern, ergieng Anfangs 1627 bereits der Huf an ihn, das Oberrabbinat von Prag zu übernehmen. 27 Jahre, die besten des Lebens, hatte er dort gewirkt, dem Prager Babbinate als Beisitzer angehört, jetzt sollte er dort als Nachfolger der angesehensten Lehrer in Israel an die Spitze der ehrwürdigsten Gemeinde der Judenheit treten. Vergebens bot man ihm Geld und Gut und neue Würden. Wien hatte keinen gleichen Wirkungskreis ihm anzubieten. Drei Monate später folgte er dem Kufe. Es war ein thränenreicher Abschied; die Gemeinde wusste, was sie an ihm verlor. Schmerzbewegt schied Heller aus der ihm lieb gewordenen Kaufmann, die letzte Vertreibung. 2

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