Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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14 eu Georgi und Micliaeli gezahlt werden. Auch mussten sie sich verpflichten, des Verkaufs von Victualien, Bau־ und Brennholz, der Gastwirtschaft und Herberge für Christen sich völlig zu enthalten. Am 15. Juni 1626, während der Bürgermeisterschaft Daniel Mosers, ward denn der Vertrag1) zwischen der Stadt Wien und der Judenschaft aufgerichtet, in zwei Exemplaren ausgefertigt, von Seiten der Stadt durch deren mittleres Insiegel, seitens der Juden durch die Unterschrift ihrer Vorsteher und Aeltesten bekräftigt, treulich und ohne Gefährde, wie die Schlussworte der Urkunde -sagen. Die Grundveste der neuen Judenstadt, die kaiserlichen Gnadenbriefe, bewahrte das Archiv der Gemeinde, das Bürgerspittel als Grundobrigkeit war befriedigt, der Kaufschilling den einzelnen Verkäufern ausbezahlt, die Steuerpflicht gegen die Stadt abgelöst und, wie es schien, erschöpfend geregelt. Etwas Ausserordentliches war gewonnen worden; man sass in den eigenen Wohnungen, ein eigenes jüdisches Grundbuch verzeichnete den erworbenen Besitz und den Wechsel desselben in der Folge, befugt, Gewähr- und Pfundgeld einzuheben wie vordem das Spittel. Für die Sicherheit hatte der Kaiser wachsam von dem Augenblicke an gesorgt, da die Entfernung der Juden aus der Stadt ernstlich ins Auge gefasst worden war; Ende 1624 war ein öffentlicher Huf ergangen 2), der alle Thätlichkeiten und Beleidigungen gegen Juden mit schweren Strafen belegte. Von aussen umgab schützend eine Bingmauer den neuen Bezirk; im Innern gewährte eine Wache, für die ein besonderes Haus errichtet wurde, militärische Bedeckung 3). Die Erwerbsquellen waren bei der Erschütterung der letzten Zeit nicht versiegt, der Handel hatte nicht abgenommen, sondern durch die Eröffnung von Verkaufsgewölben im neuen Be vier eher an Gebiet gewonnen. Ein geistiger Mittelpunkt, ein Führer, ein wahrer Seelenhirt war ג) Archiv der Stadt Wien a. a. 0. Beilage B des undatirten, aber aus dem Jahre 1660 stammenden Gesuches der Wiener Juden an Kaiser Leopold um Schutz gegen die Übergriffe der Stadt. S. die Urkunde bei Wesehel a. a. 0. Kr. XVI. 2) Privilegium vom 6. Dezember 1624 s. Gr. Wolf 43—4, J. JE. Schlager. Wiener Skizzen aus dem Mittelalter (Wien. 1842) K. F. II, 245. 8) Die Wache war in dem Hause Kr. 42 untergebracht. In derBesclireibung und Schätzung der Judenhäuser vom 23. Juni 1660 (Archiv der Stadt Wien a. a. 0.) heisst Kr. 42 das Wachthaüss oder Soldatenstuben.