Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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11 Kaisers gemildert worden, im Ganzen überwog das Gefühl, dass man jetzt endlich zur Ruhe und Sicherheit gekommen sein werde/ der gehässigen Umgebung ledig, unbeengt und unbehindert, an die Aufrichtung eines echten und rechten jüdischen Gemeinwesens herantreten könne. Kein benachbarter Kirchthurm sollte fortan die Höhe der Synagoge niederhalten, der freie Erguss der Andacht von Niemand zurückgedämmt werden, der ehedem daran Anstoss nahm. Das enge Zusammenrücken entband die kleinen Freuden des Gemeindelebens; es war zum Theil wie eine Erfüllung des Seherwortes,, dass ein Jeglicher wohnen werde unter seinem "Weinstocke, von Niemand auf g e s chr eckt, unperturbirt, wie der Kaiser sagte. Hier war im Kleinen ein Bild des damaligen Judenthums. Man hieng nur durch eine Schlagbrücke mit dem öffentlichen Leben, mit der Stadt zusammen. Gar oft war die Verbindung unter״ brochen; bei hohem "Wasserstand, bei heftigem Eisgang konnte der Übergang gefährlich werden. Das schreckte jedoch das emsige Völkleih nicht, das allmorgendlich und allabendlich, die Sabbate und Feste ausgenommen, pünktlich mit der Dämmerung auf der Brücke erschien. Es war eine geraume Strecke, die sie da täglich wenigstens zweimal zurückzulegen hatten; nach eingebrochener Nacht durfte keiner sich in Wien betreten lassen. Bequem waren sie nicht. Soldaten des Handels, waren sie an ganz andere Strapazen gewöhnt und stets damit vertraut, wie sie in ihrem Gesuche an den Kaiser sagten, Leib und Leben beim Einkauf der Waaren ausser Landes zu wagen und Gefahren auszustehen. Wohl waren es im Ganzen bisher nur vierzehn Häuser, die zur Aufnahme der gesammten jüdischen Bevölkerung Wiens expropriirt wurden. Allein diese bestanden in zum Theil ausgedehnten, zerstreuten Liegenschaften, zu denen auch grössere Gärten und Wirthschaftsgebäude gehörten. Jedenfalls erschien dem Kaiser der Raum genügend, um am 16. Juli 1625 dem Grafen Collalto aufzutragen, nunmehr auch die letzten noch in der Stadt gebliebenen Juden nach dem untern Wörth zu schaffen. Als aber nach vollkommen durchgeführter Übersiedelung die Zahl der eingeräumten Grundstücke als viel zu gering, der Wohnungsraum zur Unterkunft der neuen Einwohner ungenügend sich herausstellte, liess der Kaiser sofort am 5. August 1625 an die von Wien den Befehl ergehen^ den Juden gegen billige Bezahlung weitere Wohnplätze anzuwei-