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Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest · 1888-01-01 · [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888) · page 11

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Journal
Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
Volume
[11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
Date
1888-01-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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8 unter den bewegenden Ursachen der Absonderung nur auf die Enge der Stadt Wien und das wachsende Bedürfniss nach kaiserlichen Hofquartieren hingewiesen. Die Aufnahme in den landesfürstlichen und des Hauses Österreich besonderen »Versprach, Schutz. Schirm, freie Sicherheit und Geleit« wird nicht nur erneuert, sondern »auf ewig« ausdrücklich zugesichert. Die Gerichtsbarkeit wird ausschliesslich dem Oberst-Hofmarschallamte Vorbehalten, der Ein- und Ausgang in Wien ohne jedes Abzeichen freigegeben, Belästigung und Kränkung der Juden bei schwerer Strafe verboten und volle Religionsfreiheit auf ihrem Gebiete ihnen eingeräumt. Damit sie aber neben diesen Freiheiten des kaiserlichen und landesfürstlichen Schutzes »desto mehrers zue gemessen haben« ג), werden ihre Wohnungen von jeder Einquartierung zu Militär- oder Hofzwecken »überhebt, eximirt und frey gelassen.« Diese mit der Kaisers Unterschrift und anhangendem Insiegel versehene, vom österreichischen Hofkanzler J. B. Grafen von Verdenberg und dem Sekretär Tobias Gertinger gegengezeichnete Urkunde war der Grund- und Eckstein der neuen Wiener Judenstadt * 2). Aber während die Befreiten in vollen Zügen an der Beredsamkeit dieses Gnadenbriefes sogen, triumphirte die Schadenfreude der Gegner ob des Stillschweigens, das über die eigentliche Lebensfrage der Juden, den Handel in Wien, fast ängstlich in der Urkünde gehütet wurde. Mit keinem Worte war es darin ausgesprochen, dass die Juden ihren Geschäften in Wien weiter nachgehen durften. Die Bürger säumten daher keinen Augenblick, die Auffassung zu verbreiten, dass mit der Erlaubniss, in Wien zu wohnen, auch das Recht, Gewölbe in der Stadt zu behalten, den Juden entzogen sei. Vergebens mochten diese *darauf hinweisen, dass es des Kaisers Meinung nicht gewesen sein könne, einen Bezirk ihnen einzuräumen, in dem sie im Angesicht von Wien verhungern sollten; man glaubte wie immer, was man wünschte, und nistete vergnüglieh in der Lücke des Privilegs. Bevor das Eis schmolz, musste darüber Klarheit geschafft werden, und so entschlossen sich die Juden, wie bedenklich es ihnen auch scheinen mochte, dem Kaiser von ב) »Desto mehreres Zeugniss haben« druckt G. Wolf 45. 2) Hurt er 10, 137 entstellt die Wahrheit, wenn er von dieser Eesolution bemerkt: »sie gewährte den Christen Schutz, ohne gegen die Juden Harte zu üben«.

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