Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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lieh zur Ausführung brachte. Es war derselbe Cofialto, der im Auftrage Ferdinands den Cardinal Klilesel gefangen nahm und mit seinein Regimente in der Schlacht am weissen Berge focht. In der ׳Gregend des unteren Wörth, einem durch einen Arm der Donau ahgetrennten, kümmerlich durch eine Schlagbrücke mit der Stadt verbundenen Yororte Wiens, war bald das Gebiet gefunden und ab gesteckt, das die neue Judenstadt umschliessen sollte. Die arme Bevölkerung, deren Besitzungen hier abzulösen waren, hatte Raum genug, sich in der Nachbarschaft anzusiedeln; ausgedehnte Gärten, verkauflustigen Wiener Herren gehörig, boten bequeme Gelegenheit zum Baue neuer Häuser. Die Grundobrigkeit dieses Stadtreviers war das Bürgerspital. Der Commission, die zur Errichtung dieses Ghettos eingesetzt wurde, musste daher der Spittelmeister •beigezogen werden. Ein letztes Hinderniss, das der Vollführung des neuen Pia- 116s sich entgegensetzte, wurde unbeachtet bei Seite geschoben. Auf die Austreibung der Juden war es von Seiten der Stadt abgesehen gewesen, und nun sollten Bürger von Wien auf kaiserlichen Befehl Haus und Hof verlassen, um diejenigen dauernd als Besitzer aufzunehmen, die man nicht als Miether hatte dulden wollen. Mochte nun den von diesem Auszugsbefehle Betroffenen der Gedanke eingegeben worden oder selbstständig gekommen sein, am 17. August 1624 sehen wir die Donaufischer und Gastgeber im untern Wörth -den Kaiser beschwören, sie unverkümmert in ihrem Besitzstände zu belassen. Nothdürftig hätten sie erst jüngst ihre Wohnungen -aufgerichtet, auf denen obendrein Waisengelder haften; Wirren -zwischen Juden und Christen seien bei diesem Zustande unvermeidlieh. Ihre Entfernung aus diesem Stadttheile würde aber auch den kaiserlichen Lustjagden, deren Revier in der Nähe lag, nothwendig Eintrag thun, da sie nicht mehr zur Hand sein und beim Nachsetzen .helfen könnten. Das war ein Argument, auf des Kaisers Person berechnet, dessen einzige Leidenschaft die Jagd bildete, zu der die Gehege des Praters mit allerlei Wildarten die herrlichste Gelegenlieit boten 1). Die Vorstellung war fruchtlos; am selben Tage noch ג) Vehse 10. 95 f.; Hurter, Geschichte Kaiser Ferdinands II. 11, 657 — 66. Die Jagdordnung Maximilians II. hat B. Dudik veröffentlicht im Archiv f. ö. Gr. -0 8, 339 ff. Über den Reichthum des Praters an Wild schrieb noch 1697 ]Ferdinand .Fürst von Schwarzenberg : Der Prater ist eine grosse Parität der Stadt, und sehr