Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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4 Befehl, ihren Bürgern »gemessen und alles Ernstes« zu verfügen., dass sie bis zur Entscheidung der Commission und der kaiserlichen Hauptresolution die Juden »in ihren Bestandzimmern ruhig und unperturbirt verbleiben lassen.« Die Generalcommission hatte, vom Kaiser wiederholentlick ermahnt, ihre Arbeiten vollendet oder eingestellt. Die Beschwerungen mochten bei genauerer Prüfung in!Nichts zerfallen sein, die Berathungen waren gegenstandslos geworden; zu den Strafen, über die man hätte schlüssig werden sollen, lag keine Veranlassung vor. Selbst von den ärgerlichen Abzeichen, die man in Vorschlag gebracht zu haben scheint, glaubte man absehen zu sollen. Höchstens hatte man die Überzeugung gewonnen, dass es zum Schutze der Juden gegen die Wiederkehr ähnlicher Launen des Magistrates nöthig sein werde, ihnen die Besitzfähigkeit zu verleihen und sie auf" eigenem Grund und Boden sich anbauen zu lassen. In diesem Stande der Sache trat in die engste Nähe des Kaisers, als sein Gewissensrath und Herr seines Willens, wie man sagter ein Mann, den Ferdinand schon als Erzherzog am Grazer Hofe seines unbedingten Vertrauens gewürdigt hatte und jetzt nach dem am 24. Januar 1624 erfolgten Tode des P. Martin Becanus vom Ordensgeneral der Jesuiten sich zu seinem Beichtiger erbat, P. Wilheim Germain Lamormaini 1). Dieser mag aus!Rom den Gedanken des Ghetto mitgebracht haben, wie er nach dortigem Muster die damals anderwärts bereits aufgegebene und vergessene Einrichtung; in Wien wieder auferstehen liess, die Juden allsabbatlich zum Besuche einer Kirche zu zwingen, um sie durch das harmloseste, aber zweckwidrigste aller Mittel, durch Predigten, zu bekehren. Jedenfalls sehen wir alsbald den Plan einer besonderen Judenstadt feste Gestalt annehmen und die kaiserliche Sanction gewinnen. Am 10. Juni 1624 wird der Hofkriegsrath, sonst die Behörde für auswärtige Angelegenheiten, vom Kaiser angewiesen, einen geeigneten Ort zur Absonderung, aber zugleich, wie ausdrücklich hervorgehoben wird, zur Sicherung der Juden ausfindig zu machen. Präsident des Hofkriegsrathes war der Feldmarschall Rombaldo Graf von Oollalto 2), dessen Soldatenhand den Beschluss des Kaisers unverzüg- ב) JB. Dudik im Archiv für österreichische Geschichte 54. 233 ff; All gemeine Deutsche Biographie 17, 573; Vehse 10, 98 f. 2) ADB. 4.404 f. : Vehse 9, 118. 188, 265.