Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/3122061-3122082--1481-3123657- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
3 beim Kaiser sollten den Wohnungslosen den Gnadenstoss ertheilen. Es war ihnen bewilligt worden, eine Synagoge aufzurichten, sie :aber hatten »fast ain Tempel zu erpanen sich nnderstanden.« Bei solchem Frevel schien ein Widerstand von Seiten des Hofes ansr geschlossen. Den Protestanten war der Boden unter den Füssen entzogen worden, wie sollte man Juden ruhig gewähren lassen! Ein kleiner Nachen war in eine wilde Strömung gerathen, im nächsten Augenblicke musste er zerschellen. Aber die Geschichte ist weder im Kleinen noch im Grossen ein Bechenexempel, das sich vorher oder auch nur nachher ausfinden liesse; die auf Ferdinand den Katholischen speculirten, hatten sich getäuscht. Wohl ward am 26. Juni 1623 durch den Kaiser zur Prüfung der Beschwerungen gegen die Juden eine Commission eingesetzt, die berathschlagen sollte, wie dieselben zu bestrafen, welches Zeichen ihnen anzuheften sei und wie und an welchem Orte sie von den Christen zu separiren seien. Einer der drei Berge, wie man sagte, auf denen Österreich ruhte, Johann Baptist Yerda von Verdenberg 1). der Hofkanzler und besondere Vertrauensmann des Kaisers, Peter Heinrich von Strahlendorf, ein Jahr darauf baronisirt und nachmals Beichsvicekanzler, Freiherr Hans Heinrich von Salburg und die zwei Doktoren der Eechte, Johann Wenzl und Christian Schäfler. bildeten diesen Bath. Aber dem fürwitzigen Magistrate von Wien sollte noch vor der Beschlussfassung der Commission das Handwerk gelegt werden; ständische Eigenwilligkeiten und Machthandlungen von Bürgermeistern vertrugen um jene Zeit sich schlecht mit der in ihrem Zenithe stehenden Gewalt der kaiserliehen Majestät. Allerdings versuchten die von Wien auch noch nach dem 15. August 1623, als ein kaiserliches Edikt zum Schutze der Juden an sie ergangen war, dasselbe durch Gegenvorstellungen bei der niederösterreichischen Landesregierung rückgängig zu maeben und die Bürger mittlerweile noch bei dem Glauben zu belassen, dass ihre Verfügung noch in Kraft bestehe. Als aber am 1. September die Judenschaft in ihrer äussersten Noth und Drangsal den Kaiser anrief, um Gottes Barmherzigkeit willen seine frühere gnädige Verordnung direkt vom Hofe aus der Stadt einzuschärfen, da ergeht bereits am 6. September an sie durch die Hofkanzlei der נ) Vehse 9, 142; 10, 111. Die auf die Errichtung der Judenstadt bezügliclien Urkunden befinden sieb sämmtlich im Archiv des k. k. Ministeriums des;Innern s. s. IY, T. 1. Nieder-Österreich.