Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- 10. für das Schlujahr 1886-87 (1887)
- Date
- 1887-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
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30 ihm ist das Wissen nicht Selbstzweck, nicht am geistigen Spiele hat es sein Wohlgefallen, ihm ist die Beschäftigung mit der Gotteslehre nur der Eingang zur Gottesfurcht, die Erforschung des Gesetzes nur die Anleitung zur Gesetzestreue. Was soll die Kenntnis aller Satzungen, wenn der Geist, der sie hervorgetrieben, entflohen ist, was fruchtet ein Wissen, dem sein Inhalt todt und unfruchtbar erscheinen muss, weil es die lebenspendende Wärme verloren hat, mit der es gehegt und gehütet sein will? Wo der Bund im Herzen gelockert oder gar gelöst ist, da werden seine Bestimmungen dürrem Blätterwerk gleichen‘ das der erste Windstoss der Zweifelsucht davonträgt. Ist denn das Judenthum eine Fertigkeit, ein Spiel für den Verstand, eine Hebung für das Gedächtniss? Wehe über eine Weisheit, die an tauben Blütlien ihr Ergötzen hat und keine Erlichte zeitigt, die da ausgeht, sie weiss nicht woher, die da einführt, sie weiss nicht wohin, sie zimmert an einem Thore ohne Bestimmung, das nichts eröffnet, nichts verschliesst, statt dass sie zu dem göttlichen Bezirke hätte führen sollen, in dem alle Blüthen spriessen, die das Leben schmücken und veredeln: ’)־בל על דלית ליה ודתא ותיעא לדרתיה עביד Nicht kaltes Wissen, nicht hohle Schwärmerei, der begeisterten Erkenntniss, der warmen Hingebung für die Quellen unserer Lehre bedürfen wir, wenn wir als Volk und als Einzelne den alten Bund mit Gott bewähren sollen. Kur dann, wenn in unserer Mitte die Kenntniss der Heberlieferung den glühenden Eifer für unsere grosse Aufgabe weckt und anfacht, der Eifer aber sich nicht selbst genug scheint, sondern gern zum angestammten Schriftthum sich zurückwendet, um Kraft und Nahrung’ darin zu suchen, wenn Wissen und Gottesfurcht unter uns nicht auseinanderfallen, wenn L e h r- und Gotteshaus nicht unvereint einander gegenüberstehen, sondern ein Weg aus einem in das andere führt und beide im Verkehr erhält, nur dann können wir ferner uns das Volk des Bundes nennen, nur dann werden wir der Gottesnähe tms rühmen dürfen: כל היוצא מבית הכנסת לבית המדרש ומבית המדרש לבית 2)־.הכנסת זוכה ומקבל פני השכינהWo aber die Wärme im Herzen, die Treue in der Gesinnung fehlt, da ist es um den Bestand unserer Lehre schlecht bestellt. Mehr als jemals gilt es heute, * 3) הקב״ה לבא בעי dass Gott das Herz verlangt. Wie soll der Kaltsinn zünden, wie soll die Mattherzigkeit erheben, mit sich fortreissen? ולבם לא נכון עמו ולא נאמני בבריתו (Ps. 78, 37) »Wo das Herz an Gott nicht hält, da kann auch dem Bunde nicht die Treue währen«. Harum soll in diesem Hause mit dem Wissen die Wärme sich verbinden und mit der Kunde der Lehre die Begeisterung für ihren Bestand zunehmen und sich befestigen, darum soll wie in Elammenzügen über ihm die Inschrift glänzen : 4) כל תלמיד שאין תוכו כברו לא יכנס Kur die Treue ohne Falsch, nur die Hingebung ohne Berechnung soll hier ihre Pflege finden, aus dein J) Joma 72 b., Sabbatli 31 b. — ־) Moecl katan *29;1. 3) Syiilieclrm 10(5 b. — 4) Berachotli *28 a.