Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- 10. für das Schlujahr 1886-87 (1887)
- Date
- 1887-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3122061-3122074--1357-3123532- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Mission gewesen. Ich sehe im Geiste in dieser feierlichen Stunde alle die grossen Männer um uns versammelt, welche seit so langen Zeiten für den Ausbau des Judenthums gearbeitet, gestrebt und auch gelitten haben; die Einen an den Ufern des Jordan und des Eufrat, die Andern an den Gestaden rings um das weitgedehnte, tief eingeschnittene Mittelmeer; die Einen in meiner Heimat Deutschland, die Anderen in dem Osten Europas, auch in diesem Lande, auch in dieser Stadt. Wenn sie wirklich zugegen sein und hier sprechen könnten, so würden sie mit uns in den Huf einstimmen: Also ist unsere Arbeit keine vergebliche gewesen: es ist ein Geschlecht erstanden, das unsere Mühen zu würdigen weiss und die Erüchte unseres Strebens einem jüngeren, lernbegierigen Geschlechte weiter übergeben will; wir haben nicht vergehlieh gelitten. Ich will in dieser weihevollen, uns so freudig erregenden Stunde nicht die Bilder einer düsteren Vergangenheit vorführen, nur ein Wort sei gestattet. Es sind ganze Generationen in die Noth, in das Elend, in die Verbannung, in den Tod gegangen, aber nicht einer der Tausende von Märtyrern hat nur einen einzigen Augenblick an dem endlichen Siege der Wahrheit und des Hechts gezweifelt. Diesen Sieg zu erringen, haben Sie, meine Herren, einen bedeutsamen Schritt gethan. Die Weisheit und Milde der!Regierungen, die Opfer Willigkeit der Glaubensbrüder führen den Tag herauf, von dessen Glanze die traurigen Zeiten der Verfolgung und des Glaubenshasses verschwinden. Meines Dankes sind Sie, meine Herren, nicht gewärtig, selbst wenn ich ihn in schönere Worte kleiden könnte, als es mir gegeben ist. Wer an einem solchen Werke mitgearbeitet, wird durch sein eigenes Bewusstsein hinlänglich erhoben und belohnt. Hoch weniger sind Sie meines Segens gewärtig: segnen kann überhaupt nur Einer, dessen Wohnung nicht auf Erden ist. Aber einen Wunsch auszusprechen darf mir gestattet sein; ich darf ihn in die Worte des Propheten (Jesaia54., 17.) kleiden: כל כלי יוצר עליך לא יצלח וכל ליען תקום אתך למשפט רדעןיעי »Keine Waffe, die gegen dich geschmiedet wird, soll Erfolg haben; jede Anklage, die wider dich erhoben wird, wirst du siegreich zurückweisen.« So wachse, blühe und gedeihe diese junge Anstalt zur Verherrlichung und Heiligung des ewigen und einigen Gottes in alle Zeiten und Geschlechter! 7. Begrüssungsrede des Dr. Leopold Kompert im Hamen der Wiener Isr. Cultusgemeinde. Hochgeehrter Herr Präsident! Ich bin von meiner Gemeinde Wien mit der Ehre betraut worden, Ihnen, hochgeehrter Herr Präsident, als dem Vertreter des Institutes, das am heutigen Tage ins volle Leben tritt und zur glorreichen