Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [9.] für das Schlujahr 1885-86 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- – (sequence 96)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3122061-3122076--1291-3123465- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 88 — דברי צדייקים צדק צדק תדדף »Sie (die Richter) sollen das Volk nach Gerechtigkeit richten. Du sollst das Recht nicht beugen, kein Ansehen der Person achten und keine Bestechung annehmen, denn die Bestechung macht blind weise Leute und verkehrt die Worte der Gerechten. Gerechtigkeit, Gerechtigkeit sollst du nachtrachten«. °) Nach der Halacha darf der Richter überhaupt keine Geschenke annehmen, selbst nicht, um den Gerechten sein Recht zuzuerkennen und den Ungerechten zu verurtheilen, (לזכות את הזכאי ולחייב את החייב) denn ohne dass er es wollte oder merkte, könnte er ein günstiges Vorurtheil für den Spender fassen und das Recht verdrehen. 1ö) 3. Sowie das Gesetz den Armen vor Parteilichkeit zu Gunsten des Reichen und Vornehmen schützt, so nimmt es wieder andererseits den Reichen in seiner Rechtssache gegen einen Armen in Schutz und befiehlt: לא תעשו עול במשפט לא תשא פני דל ולא תהדר פני גדול בצדק תישפט עמיתך »Ihr sollt kein Unrecht thun im Gerichte, du sollst nicht schonen den Armen, nicht vorziehen den Grossen, sondern du sollst deinen Nächsten nach Gerechtigkeit richten«. n) Nur das Recht soll auf der Wage der Gerechtigkeit den Ausschlag geben und nur die Rechtlichkeit die Richter leiten. »Der Richter soll sich so betrachten, als schwebe ein Schwert über seinem Haupte und als öffne sich die Unterwelt vor seinen Schritten. Er wisse nämlich, wen er richtet, vor wem er richtet und wer ihn einst richten wird, so er in seinem Urtheile von der ihm vorgezeichneten Richtschnur der Wahrheit ab weicht, denn so lautet das Wort der Schrift :•Gott steht in der göttlichen Gemeinde. Ferner: erwäget wohl, was eueres Amtes ist, das Richteramt ist nicht des Menschen, sondern Gottes Sache, der bei Rechtssachen sich unter euch befindet. Ein Richter, der nicht aus Liebe zur Wahrheit ein wahrhaft gerechtes Urtheil fällt, trübt gleichsam den Strahlenglanz der göttlichen Gerechtigkeit in Israel; ein Richter, der ungerechter Weise den Gerechten verurtheilt zu Gunsten des ungerechten Gegners, der verwirkt dadurch sein Seelenheil. Der Richter aber, der der Wahrheit gemäss Recht spricht, erwirbt sich das hohe Verdienst, als hätte er den Bestand der moralischen Welt- 9) Das. 16, iS—20. 0נ) Siehe hierüber T. Ketubot 105f, wie genau die Lehrer des Talmud es genommen haben. Maimuni Sanhedrin Cap. 23. 13) Leviticus 19, 15. Siehe die hal. Yorsehrifteu Sehebuot 30 ff. u. sonst. Maim. Cap. 21.