Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [9.] für das Schlujahr 1885-86 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- – (sequence 68)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3122061-3122076--1263-3123437- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
60 ren und wähnen, dass man hiemit schon der Pflicht vollkommen entsprochen habe, man ist vielmehr verpflichtet die Armen und Verlassenen an dem Mahle theilnehmen zu lassen, nach den Worten der Schrift: und der Levit, der Fremdling, die Waisen und die Witwe (sollst du erfreuen). Wer aber sein Festmahl bloss im Kreise seiner Familie hält, ohne Andere zu laden und mitspeisen zu lassen, von dem heisst es : Ihre Festmahle gleichen denen der Leidtragenden, sie entwürdigen die, welche daran theilnehmen.« 4) 2. Besonders erbauend war jener feierliche Akt am ersten Hüttenfeste nach dem Erlassjahre, bei dem das gesammte Volk, Männer, Weiber und Kinder, im Heiligthume sich versammelte und der König in höchst eigener Person auf einer eigens hiezu aufgestellten Tribüne in feierlicher Weise mehrere Capitel aus dem fünften Buche Moses öffentlich mit lauter Stimme vorlas und vor und nach dieser Vorlesung mehrere Benedictionen sprach ((מצות הקהל למען ישמעו ולמען ילמדו ויראו את ה׳אלהיבם ושמרו לעשות את כל דברי התורה הזאת. »Auf dass sie hören und lernen, den Ewigen ihren Gott ehrfürchten und halten alle Worte dieser Lehre.« 5) »Diese feierliche Vorlesung, bemerkt Maimuni, 6) soll würdig vorbereitet, mit gespannter Auf־־ merksamkeit, ehrfurchtsvoll und in freudiger Erregung so angehört werden, wie Israel am Sinai das Wort Gottes vernommen hat. Auch die Weisesten und Gelehrtesten sind hievon nicht ausgeschlossen denn der eigentliche Zweck dieser Vorlesung ist: Israel in der Erkenntniss der höhern Wahrheit zu befestigen, dass es sich derselben so klar bewusst bleibe, als hätte Gott selbst sich ihm, so wie einst am Sinai, wieder geoffenbart und ihm seine Gesetze unmittelbar ertheilt; denn der König erschien als Abgesandter Gottes, um dessen Wort zu verkünden.« So entbehrt das Heiligthiim und seine innere Einrichtung keineswegs eines hohen ethischen Werthes; aber auch der äussere Glanz und die Pracht, womit der Bau desselben in allen seinen Theilen aufgeführt und hergestellt wurde, auch dieser scheinbar überflüssige Luxus enthält eine tiefere moralische Lehre, die schon Maimuni 7)andeutet: »wer mit reiner Gesinnung ein gutes Werk 4) Maimuni Hilcliot Cliagiga Cap. 2. § 14. 5) Deut. 31, 12. Die lialacliisclien Verordnungen hierüber sind enthalten Sota 41a. 6) Hilchot Chagiga C. 3. § 6. ד) Hilchot Jssure Misbeacli Cap. 7. § 11.