Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [9.] für das Schlujahr 1885-86 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- – (sequence 67)
- Language
- German
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59 שכינד, שורד, בישראל Als eine solche beseelte Gesellschaft bedurfte es eines sichtbaren Heiligthums, eines dem heiligen Zwecke entsprehenden Mittelpunktes; daher sprach Gott in seiner Alliebe : ועשן לי מקדש ושכנתי בתוכם »Und sie sollen mir ein Heiligthum errichten, dass ich in ihrem Innern wohne.» 2) So wurde auf ihrer Wanderung durch die Wüste die zerleg- und tragbare Wohnung errichtet (משבן), und nach der Besitzergreifung des verheissenen Landes der Gottestempel in Jerusalem (מקדש) erbaut. Den Mittelpunkt desselben bildete die heilige Lade mit den Bundestafeln und die vom göttlichen Lehrer niedergeschriebene und den Priestern übergebene Gotteslehre, welche das geistige Band zwischen Gott und Israel darstellte. Der Tisch mit den Schaubroden (להם הפנים) sollte das Volk ermahnen, dass Alles, was es besitzt und geniesst, Gnadengeschenke des Herrn sind (משלהן גבוה קא זכי), daher bloss nach seinem Willen verwendet und genossen werden dürfe. Der Leuchter mit den Lichtern sollte Israel belehren, dass es berufen sei, das Licht der ewigen Wahrheit sorgfaltig zu pflegen und allenthalben zum Heile aller Menschen und Völker zu verbreiten. Der Altar sollte Israel darauf hinweisen, dass es zur Bethätigung der Liebe zu Gott und zu den Menschen kein Opfer scheue und die etwa begangenen Fehler bereue und mit Gott und den Menschen sich versöhne. In diesem Heiligthume standen die Priester und Leviten in Vertretung eines jeden Einzelnen und der Gesammtheit im Dienste des .einig Einzigen und weihten ihr ganzes Leben ihrem heiligen Berufe. Hier war der Sitz der Weisen, der Schriftgelehrten und des hohen Gerichtshofes. כי מציון תצא תורה ודבר ה׳ מירושלים »Von Zion geht die Lehre aus, das Wort Gottes von Jerusalem.« 3) Dreimal des Jahres vor Beginn der Hauptfeste wallten alle Israeliten unter Dank- und Lobgesang hinauf in die Gottesstadt, brachten daselbst die Festesopfer dar, verrichteten in gehobener Stimmung ihre Andacht in dem Heiligthume, schöpften aus den Heilsquellen neues Leben, neue moralische Kraft und Begeisterung für Gott und sein himmlisches Wort, feierten das Fest freudig und vergnügt und erfreuten die Armen und Dürftigen, indem sie mit ihnen ihr Festmahl theilten. »Beim Festmahle soll man, nachdem auf dem Altäre die vorgeschriebenen Theile geopfert sind, die zum Genüsse bestimmten Fleischtheile nicht etwa nur im Framilienkreise verzeh- 2) Exodus 25, 3. —3) Jesaias 2. 3.