Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [9.] für das Schlujahr 1885-86 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- – (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3122061-3122076--1259-3123433- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
56 Speiseanstalt für Arme (תמחוי) errichtet werde, wozu ein jedes Mitglied Beiträge zu leisten verpflichtet ist, die von gewissenhaften, einsichtsvollen Männern verwaltet werden sollen. Die diesbezügliche Vorschrift lautet: Speise und Trank müssen ohne Unterschied des Standes und des Glaubensbekenntnisses sofort gereicht werden! während zur thätigen anderweitigen Unterstützung aus der gemeinsamen Armencasse erst zu erheben ist, ob der um die Hilfe Ansprechende dieselbe thatsächlich benöthige und in welchem Masse er deren würdig sei. 32 בודקין לכסות ואין בודקץ למזונות)- Denn so wie es heilige Pflicht ist. den wahrhaft Dürftigen zu unterstützen, so wäre eine Gabe dem gereicht, der sie nicht benöthiget und der so unwürdig ist, dass er es vorziehet, von der Hilfe Anderer sein Leben zu fristen, anstatt durch seiner Hände Arbeit sein Brod in Ehren zu verdienen, keine Tugendthat• sondern eine Unterstützung und Vor- Schubleistung der sträflichen Trägheit und des unverschämten Leichtsinnes. So schliesst Maimuni den Abschnitt Matnat Anijim (»über die Gaben an die Armen«), mit folgenden, dem Talmud entlehnten, beherzigenswertheil Worten: »Der Mensch soll lieber entbehren und so weit es, selbst mit schwerem Kampfe, nur möglich ist, sich einschränken, als die Hilfe Anderer in Anspruch. nehmen oder gar der Gesammtheit zur Last fallen. So lehrten schon die Weisen: Bereite für den Sabbat kein besseres Mahl als für die Wochentage, damit du nicht auf die Hilfe Anderer angewiesen seiest. Selbst der Gelehrte und Hochgestellte greife, so er verarmt, zu irgend einem Handwerk oder zu einer sonstigen Arbeit und wäre sie auch eine der niedrigsten, damit er nicht auf die Unterstützung von Menschen angewiesen sei. Es ist ehrenvoller das Fell von einem Aas abzuziehen, als betteln und den Leuten sagen: Ich bin ein Gelehrter, ein Priester, reichet mir meine Bedürfnisse. So waren in der That viele der grossten talmudischen Lehrer Holzhauer, Lastträger, Wasserschöpfer (für Gärten), Schmiede, Köhler u. d. g. und forderten nicht nur keine Unterstützung von ihren Gemeinden, sondern wiesen vielmehr selbe zurück, so man sie ihnen reichen wollte. Wer Gaben nicht benöthigt, sie aber betrügerischer Weise fordert und empfängt, kömmt früher oder später in die traurige Lage, Almosen nehmen zu mlissen; ihn trifft der Fluch des Profeten: Verflucht sei der, welcher auf 32) T, Baba Batra 9a.