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Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest · 1886-01-01 · [9.] für das Schlujahr 1885-86 (1886) · page 63

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Journal
Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
Volume
[9.] für das Schlujahr 1885-86 (1886)
Date
1886-01-01
Page
– (sequence 63)
Language
German
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…/3122061-3122076--1258-3123432
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55 üben. Israels Thron (d. h. sein hoher Lebensruf) hatte keine feste Basis, die Religion der Wahrheit keinen Halt ohne die Wohlthätigkeit; Israels Erlösung (von der Sünde und der Bosheit, und die allgemeine Verbrüderung aller Volksstämme in der wahren Gotteserkenntniss und der Herrschaft der Tugend) kann nur erhofft werden von der treuen Übung der Wohlthätigkeit.« 28) Treffend drückt die hebräische Sprache mit dem Worte צדקה sowohl den Begriff Gerechtigkeit als den der Tugend und endlich den der Wohlthätigkeit aus י die letztere bildet einen der vorzüglichsten Bestandtheile der ethisehen Pflichten und ist eigentlich ein Akt der Gerechtigkeit nach dem Ausspruche כי ממך הכל ומידך נתנו לך »Alles, was wir haben, erhalten wir von dir, und das, was wir aus deiner Hand empfangen, erstatteten wir dir« 29) indem wir es nach deinem Willen verwenden und dem Armen geben; denn nur zu diesem Berufe hast du mir einen grossem Theil der zeitlichen Güter beschieden, damit ich dieselben in deinem Sinne verwalte und mir Gelegenheit geboten sei, die Pflich der Wohlthätigkeit zu üben. Aus diesem Grunde dürfen wir uns nicht überheben und uns als die eigentlichen Wohlthäter betrachten‘ denen die Armen in Allem und Jedem unterthänig sein müssen, oder wähnen, es genüge, wenn wir ihnen die Gabe reichen, unbekümmert um die Art und Weise, wie dies geschieht, gleichgültig ob mit Schonung und Theilnahme oder in verletzender Form. Wir sollen nicht bloss geben, wir sollen die Gabe mit Innigkeit und Herzlichkeit reichen, mit Worten aufrichtiger Theilnahme den Dürftigen trösten und beruhigen. נתן התן לו ולא ירע לבבך בתתך לן »Du sollst ihm geben und nicht missmuthig sein, wenn du ihm gibst« 30) בל הנותן פרוטה לעני מתברך בשש ברכות והמפייסו בדברים מתברך בי״א ברכות »Wer dem Armen eine Unterstützung reicht, wird vom Profeten bloss mit sechsfachen Segen bedacht, wer aber der Gabe theilnehmende Wor.te beifügt, dem ertheilt er elf Segnungen« 31) 5. Aber nicht bloss der Einzelne als solcher ist zur Unterstiitzung der Armen verpflichtet, auch die Gesammtheit muss Sorge dafür tragen das, was die Einzelnen nicht leisten können, zu ergänzen und der Noth abzuhelfen. So verordnet die Halacha, dass in jeder jüdischen Gemeinde eine eigene Armencasse (קופת צדקה) und eine 28) Maimuni Matnath Anijim Cap. 13., § 1. 29) Chronik I. Cap. 29, 14. — 30) Deut. 15, 10. — 31) T. Baba Batra 9b.

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