Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [9.] für das Schlujahr 1885-86 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- – (sequence 62)
- Language
- German
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54 herrsche, musste je nach sechs Jahren des Anbaues das siebente ein Jahr der Ruhe sein, in welchem alle Feldarbeit feierte; es sollte auch zugleich eine Erinnerung an die sechs Tage der Schöpfung und an den siebenten Tag der Ruhe sein. In dem Jahre der Ruhe (24 (שנת שמיטה) durfte derBoden nicht bearbeitet, es durfte nicht gesäet, die Weinstöcke nicht beschnitten und der von selbst erfolgte Nachwuchs an Feld- und Garten-Früchten nicht eingesammelt werden; als herrnloses Gut (הפקד) war der Genuss derselben für -einen jeden ohne Unterschied, ja selbst für das Thier vollkommen frei. Es war dies eine sehr heilsame, moralische Lehre für den Begüterten, der sich in die Lage des armen Besitzlosen versetzt sah und dadurch für den Hilfebedürftigen wärmer fühlen lernte; es war aber auch eine Ermuthigung für den Armen, der die Wandelbarkeit der Erdengüter kennen lernte und dadurch mit seinem Geschicke zufriedener wurde. 4. Die Wohlthätigkeit, diese von den Vätern ererbte ethische Pflicht, soll nach der halachischen Satzung nicht bloss von den reich Begüterten geübt werden, sondern ein jeder ohne Ausnahme ist verpflichtet, nach Massgabe seines Vermögens einen Jeden, der der Hilfe bedarf, zu unterstützen. Allen Menschen ohne Unterschied ist der Jude schuldig, hilfreich beizustehen. וכי ימוך אחיך ומטה ידו עמך והחזקת בו גר ותושב וחי עמך »Wenn dein Bruder verarmt und neben dir herabkommt, so sollst du ihn stützen, ob Fremdling, ob Einwohner, dass er lebe neben dir.« 25) לא תאמץ את לבבך ולא תקפוץ את ידך מאחיך האביון כי פתה תפתה את ידך לו »du sollst dein Herz nicht verhärten, deine Hand nicht verschliessen gegen deinen armen Bruder; sondern du sollst deine Hand ihm auffchun« 26)כל המעלים עיניו מן הצדקה כאלו עובד ע״ץ »Wer der Wohlthätigkeit sich entzieht, der gleicht dem Götzendiener. 27) »Es ist unsere unerlässliche Aufgabe, der Pflicht der Wohlthätigkeit genauer nachzukommen als allen andern Geboten; denn die Wohlthätigkeit ist ein untrügliches Merkmal der Abstammung vom Patriarchen Abraham, von dem es in der heiligen Schrift heisst: Ich liebe ihn, da er seinen Kindern befiehlt, Wohlthätigkeit zu 24) Exodus 23,11. Leviticus 25, 2—8. T. Scliebiith, Moed Katan und Main!. Schemita Wejobel. 25) Leviticus 25, 35. — 26) Deut. 15, 7. — 2ד) T.Baba Batra 10a.