Mannheim
Compact Memory

Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest · 1886-01-01 · [9.] für das Schlujahr 1885-86 (1886) · page 43

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
Volume
[9.] für das Schlujahr 1885-86 (1886)
Date
1886-01-01
Page
– (sequence 43)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3122061-3122076--1238-3123412
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 35 — er ist gleichsam unsterblich auf Erden. Auch die trauerende Gattin findet einigermassen Trost in den Kindern ihres verstorbenen Mannes, sie erblickt in ihnen das geistige Bild desjenigen, den sie mit aller Innigkeit liebte, und sind es vollends gar ihre Kinder, so bieten ihr diese um so mehr Ersatz, und ihre Lage erscheint ihr nicht völlig trostlos, da sie doch in den Kindern eine Stütze für ihre Zukunft findet. Anders verhält es sich aber dann, wenn der Gatte kein Kind zurücklässt. Da ist Niemand, der seinen Namen verewigen, sein Andenken vor der Vergessenheit bewahren könnte. Der Schmerz der unglücklichen Gattin ist umso tiefer und herber, als sie in ihrer Einsamkeit nirgends einen Trost findet und in ihrer Verlassenheit vergebens nach einer Stütze sich umsieht. Das geistige Bild ihres geliebten Gatten, das ihrem Herzen eingeprägt ist, sucht sie überall und findet es nicht, kein Kind reicht ihr Trost und Stütze; und eine neue Ehe einzugehen, einen fremden Namen zu tragen, dazu kann sie sich nicht so leicht entschliessen, denn das Andenken ihres Mannes schwebt so lebhaft vor ihrer Seele, dessen Name ist ihr so theuer und werthvoll, dass sie ihn aufzugeben und mit einem andern zu vertauschen nicht immer den Willen und die Kraft besitzt. Diese trostlose Lage der verwitweten Gattin würdigend und von der psychologischen Wahrheit ausgehend, dass Geschwister nicht bloss durch die Bande des Blutes mit einander verbunden sind, sondern dass auch geistige Bande es sind, welche Brüder und Schwestern umschlingen und durch besonderes Wohlwollen gegen einander vereinen, von dieser Wahrheit ausgehend verorclnete die Thora, dass der Bruder des kinderlos verstorbenen Gatten die Ehe mit der zurückgelassenen Witwe vollziehen soll, damit durch ihn, als geistiges Bild des verstorbenen Bruders, dessen Name erhalten, dessen Andenken verewigt werde und die trauerende Gattin in dem mit ihrem verstorbenen Gatten geistig vereinten Bruder Trost und eine Stütze finde.(12 .(מצות יבום) Allein gar oft ist das geistige Band, das die Geschwister vereinen sollte, ein kaum merkbares, gar oft ist von besonderem gegenseitigem Wohlwollen keine Spur, so dass oft, wenn es sein sollte, gar Mancher die Ehe mit der Witwe seines Bruders nicht vollziehen will; in nicht wenigen Fällen wäre wieder die Verbindung der Witwe mit 12) Deut. 25, 5—10. Siehe Saalschutz M. B. Cap. 104. 3*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.