Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [9.] für das Schlujahr 1885-86 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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— 11 —. 9. Nacht umhüllte die Erde, in Finsternis^ wandelten ihre Bewohner, kein Strahl der wahren Gotteserkenntniss erleuchtete deren Geist, kein edleres Gefühl erfüllte ihr Herz. Befangen von Irrwahn und Aberglauben vermochten sie das Licht der Wahrheit nicht zu erblicken, für das sittlich Gute sich nicht zu erwärmen. Himmelskörper und Thiere verehrten sie als Götter. In dieser düstern Zeit des Götzendienstes erschien der Ällerheiligste am Sinai und offenbarte sich Israel als einig einziges Wesen mit den Worten : לא יהיה לך אלהים אחרים על פני לא תעשה לך פסל וגו, לא תשתהוה להם ולא תעבדם »Du sollst keine andern Götter vor mir haben, du sollst dir kein Abbild machen . . . dich nicht bücken vor ihnen und sie nicht göttlieh verehren.« 22) In jener heilverkündendeh Stunde durchbrach das Licht des Monotheismus die heidnische Finsterniss, erleuchtete die Geister und erwärmte die Herzen in Israel. Allein umringt vom Heidenthume drohte Israel die Gefahr dem Götzendienste anheim zu fallen. Dem musste vorgebeugt werden. Daher die so zahlreichen und strengen Gesetze gegen den Götzendienst und gegen alles, was mit diesem nur irgendwie in Berührung steht; daher die so vielfachen Ermahnungen gegen den Bilderdienst, gegen die Art und Weise der heidnischen Götter- Verehrung, gegen ihre Gebräuche und Gewohnheiten und daher das göttliche Verbot ופן תדרש לאלהיהם לאמר איבה יעבדו הגדם. האלה את אלהיהם ואעשה כן גס אני לא תעשה בן לה׳ אלהיך כי כל תועבת ה׳ אשר שנא עשו לאלהיהם כי גם את בניהם ואת בנתיהם ישרפו ר£א^ף(יהם »Forsche nicht nach ihren Götzen und sprich nicht: wie diese Völker ihren Göttern dienen, also will auch ich thun (d. h. auf gleiche Weise meinem Gotte dienen): du sollst nicht also thun dem Ewigen deinem Gotte; denn sie haben ihre Götter zu ehren Alles o-ethan. was dem Ewigen ein Gräuel ist und das er hasst; selbst ihre Söhne und Töchter haben sie im Feuer verbrannt zur Ehre ihrer Götter.« 23) Götzendienst und Alles, was damit in Verbindung steht, ist dem Urbilde der Sittlichkeit ein Gräuel, ist der höchsten Tugend verhasst, es haben also die halachischen Vorschriften über Götzendienst24) einen sittlichen Werth. In diesen halachischen Theil gehören demgemäss auch die Ge- 22) Exodus 20, 4 u. 5. — 23) Deut. 12, 30 u. 31. 24) Diese sind ausführlich behandelt T. Aboda Sara, Sanhedrinu. a. a. O. Mahn. Aboda Sara.