Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [9.] für das Schlujahr 1885-86 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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8 Heilig-Halten der in der Schrift vorkommenden Benennungen des Allerheiligsten, so dass keine derselben radirt, gelöscht oder überschrieben werden darf, weil dieses eine Verletzung der Ehrfurcht vor Gott und somit eine Entweihung seines göttlichen Namens wäre. So dürfen die heiligen Schriften oder sonstige Gegenstände, wo einer der göttlichen Namen geschrieben, eingravirt oder auf welche Weise immer angebracht ist, weder verbrannt noch vernichtet oder zu einem profanen Gebrauch verwendet werden, sondern sie müssen, wenn sie ausser Gebrauch gesetzt werden sollen, als Träger des göttlichen Namens in ein Gefäss gelegt und vergraben werden. 9) Anmerkung'. Die Liebe zu Gott soll wohl eine aufopferende und die Heiligung seines Namens eine hingebende sein, doch in Fällen, wo Lebensgefahr zu befürchten ist, wo mit Androhung des Todes die Übertretung des göttlichen Gesetzes gewaltsam gefordert wird, da kommt der halachische Grundsatz zur Geltung והי בהם ולא שימות בהם »Sie sollen in der Erfüllung des Gesetzes leben, aber nicht durch dieselbe sterben«. Darum lautet die Satzung בכלן יעבור ואל יהרג הוץ מע״ז ונ״ע וש״ד דיהרוג ואל יעבור »Alle Gesetze darfst du, um dein Leben zu retten-übertreten, nur dem Zwange zum Götzendienste, zu Mord und zur Blutschande darfst du nicht weichen; du musst vielmehr selbst dein Leben aufs Spiel setzen.« (Siehe Talmud Sanhedrin 74a u. a. O.; Mann. Jesode Hathora * Gap. 5, wo selbst bei anderen Gesetzen Ausnahmen aufgestellt und das ידדיג ואל יעבוד vorgeschrieben wird.) 6. Mehr als durch die Betrachtung der Werke der Schöpfung gelangen wir zur Gotterkenntniss und klarer als durch jene wird uns der Gottesbegriff durch die geoffenbarte Gotteslehre; die Offenbarung bildet darum den zweiten Grundpfeiler sowohl der ethischen als der halachischen Gesetze. Gott hat sich am Sinai als Urquelle alles Seins, aller ethischen Güte und aller Heiligkeit geoffenbart; er hat durch Moses, den grössten der Profeten, die ethischen Gesetze, die Lehren des Rechts und der Heiligung uns ertheilt, seine himmlisehe Lehre als ewiges Erbe Israel an vertraut, und in dieser Thora, die wir noch heute rein und ungefälscht besitzen, 1ms seinen Willen kund gethan und den Weg gezeigt, wie wir Gott lieben, nach ethischer Vervollkommung streben und den Namen Gottes heiligen sollen. 10) . a) T. Schebuot 35a, Sabbat 115a. 0נ) Siehe Maim. Jesocle Hathora Cap. 7—10.