Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [9.] für das Schlujahr 1885-86 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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7 Gottes, ich bin der Ewige«. Geschieht die Uebertretung öffentlich vor zehn Personen, so ist dies eine öffentliche Entweihung des göttliehen Namens. Wer hingegen des Verbotes wegen eine Handlung unterlässt oder wer ein Gebot befolgt und zwar weder aus Eigennutz noch aus Furcht oder aus Ehrgeiz, sondern bloss weil es der Allerheiligste befohlen, also bloss aus sittlicher Einsicht, so wie der fromme Josef die Lotungen seiner Herrin zurückgewiesen hat, der heiligt den Namen Gottes. Doch giebt es noch andere Gelegenheiten den göttlichen Namen zu entweihen, ohne erst ein wirkliches Gesetz zu verletzen; dies ist der Fall bei einem anerkannten Gelehrten und bei jenem, der in dem Rufe eines tugendhaften frommen Mannes steht. Dieser entweiht, so er durch sein Benehmen und in seinem Verkehr mit Andern nur den geringsten Anlass zum Tadel oder zs ungünstiger Beurtheilung giebt, oder ein öffentliches Aergerniss erregt, hiedurch den göttlichen Namen. Wenn er sich Z. B. Lebensmittel ausleiht und es dahin kommen lässt, dass die Verkäufer ihn mehrmals zur Zahlung seiner Schuld auffordern müssen, obgleich er in der Lage ist, diese sofort zu begleichen, oder wenn er in Gesellschaft roher, unwissender Menschen Zechgelage hält und an ihren muthwilligen Scherzen Theil nimmt; oder wenn sein Auftreten kein sanftes, bescheidenes ist und er Anderen nicht freundlich entgegenkömmt, sondern als heftig, zanksüchtig und jähzornig erscheint u. d. g. Je höher die Stellung, die Jemand bekleidet, je tiefer die Bildung, die er besitzt, desto vorsichtiger seien seine Reden, und desto gebührlicher sein Benehmen. Wenn hingegen der Vornehme und Gelehrte seine Worte mit besonnener Ruhe und Gelassenheit ausspricht, einem Jeglichen freundlich entgegenkommt, selbst mit seinen Beleidigern nachsichtig verfährt, in seinem ganzen Verkehr die strengste Treue bewahrt und, ohne Aufsehen zu erregen, von den Kreisen der Unwissenden sich fern hält und dem Dienste Gottes sich weihet, so dass ein jeder, der ihn sieht, voller Lob von ihm spricht, ihn liebt und von dem Verlangen erfüllt wird, ihm nachzuahmen, dann heiligt er den Namen Gottes; von diesem sagt der Profet: »und er sagte mir, Israel du bist mein Diener, des ich mich rühme.«•8) 5. Zur Heiligung des göttlichen Namens gehört auch das s) Maim. I, B. I. Abschnitt, Cap. 5.