Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [9.] für das Schlujahr 1885-86 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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dienen, ihm mit allen Gedanken, Gefühlen, und Bestrebungen sich vollständig hingeben: d. h. ihn mit ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzer Macht lieben. Und dies fördert auch die Ethik, wenn sie sagt, der Mensch solle sich völlig in allem Thun, Fühlen und Denken der Sittlichkeit hingeben.« 4) Darum beginnt der Decalog mit dem אנכי, weil dies der oberste Lehrsatz der ganzen Gotteslehre ist und weil von der richtigen Auffassung desselben die Liebe zu Gott und zu den Menschen bedingt wird. 3. Dieses Moment mag auch für Maimuni dafür bestimmend gewesen sein, dass er sein grosses halachisch.es Werk mit dem »Sefer Hamada« (Buch der Erkenntniss) beginnt und den ersten Hauptabschnitt dieses Buches »Jesode Hatora« (die Grundlehren des Gesetzes) nennt. Wie gelangen wir aber zur Ehrfurcht und Liebe Gottes? Maimuni sagt es uns deutlich. »Es ist des Menschen Pflicht, diesen höchst verehrungswürdigen, Ehrfurcht gebietenden Gott zu lieben und zu ehrfürchten; denn so lautet das Wort der Schrift: »Und du sollst lieben den Ewigen deinen Gott«, und: »den Ewigen deinen Gott sollst du ehrfürchten«. Fragst du aber nach dem Wege, auf den! du zu dieser Liebe und Ehrfurcht gelangst? Nun dieser liegt ganz nahe. So der Mensch mit Aufmerksamkeit und Andacht die grossen, wundervollen Schöpfungen und Werke Gottes betrachtet und in diesen die masz- und grenzenlose Allweisheit erkennt, so wird er erfüllt von der reinsten Liebe zu seinem Gotte, er wird diesen lobpreisen und das sehnlichste Verlangen hegen, sich ihm zu nähern und sich in der Gottes erkenntniss zu vervollkommen; schon David rief: »meine Seele dürstet nach Gott, der Macht alles Lebens«. Und in dieser Betrachtung vertieft, fühlt er zugleich eine heilige Scheu, voller Ehrfurcht tritt er zurück, indem er seine Kleinheit und Beschränktheit der unendlichen Grösse und Vollkommenheit des Schöpfers entgegenhält; »Betrachte ich deine Himmel, das Werk deiner Hände, spricht David, was ist der Mensch, dass du sein gedenkst.« 5) So ist die Liebe zu Gott eine Folge der gewonnenen Erkentniss und zugleich die Ursache unseres Strebens nach grösserer Vollkommenheit in derselben. 4. Wenn ein Mensch den andern wahrhaft liebt, so wird ihm 4) Steinthal, Allgemeine Ethik (Berlin, 1885.) S. 121, ג) Maim. a, a. 0. Cap. 2. §.1.2.