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Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest · 1886-01-01 · [9.] für das Schlujahr 1885-86 (1886) · page 12

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Journal
Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
Volume
[9.] für das Schlujahr 1885-86 (1886)
Date
1886-01-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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…/3122061-3122076--1207-3123381
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4 I. Abschnitt. 1. Die Halaclia hängt mit der Ethik innig zusammen und ist auch äusserlich mit ihr verwandt. Beide, Ethik und Halaha wurzeln in Gott, beide haben ihre Quelle in Gott. Beider Endziel ist Gott, beide sind göttliche Gebote. Der ethischen Einsicht verleiht die Halacha jene feste Stütze, die in den Momenten, wo die sinnlichen Begierden gegen den menschlichen Willen anstürmen, denselben mit der nötliigen moralischen Kraft ausrüstet und ihm den erforderlichen Schutz gewährt; aber auch die Halacha wäre ohne Sittlichkeit eine Entwürdigung des Göttlichen im Menschen; in der Vereinigung Beider dürfen wir das Wesen des Judenthums erblicken. Die Gotteslehre befiehlt ואהבת את ה׳ אלהיך בכל לבבך ובבל נפשך ובכל מאדך »Du sollst den Ewigen deinen Gott lieben von ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzem Vermögen«.1J Sie befiehlt ferner ואהבת לריעך כמוך »du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.« 2) Sie stellt hiemit die Liebe zu Gott und zu den Menschen als die Grundlehren des göttlichen Gesetzes auf; und ebenso bildet diese die Grundpfeiler der Ethik. Denn Gott lieben heisst, das ethisch Gute lieben und das ernste Streben, die Gebote Gottes gern zu befolgen; und Menschenlieben heisst alle Pflichten gegen sie nach den praktischen Ideen des Wohlwollens und des Hechts willig und freudig ausüben. 3) Allein diese Liebe zu Gott und zu den Menschen setzt eine richtige Gotteserkenntniss voraus, denn nur der, welcher vom Dasein eines einigen, ewigen, allgerechten und allgütigen, höchst heiligen Wesens durchdrungen ist, wird Gott als das ablsolut Gute lieben und durch Befolgung seiner Gebote nach seinem Beifall streben, nur e r wird in einem jeden Menschen eine sittliche Persönlichkeit achten und lieben. »Der Gottesgedanke muss nothwendig so gefasst werden, dass Gott das lebendige absolut Gute ist. Ihm soll der Mensch ג) Deuteronomium 6, 5. — 2) Leviticus 19, 8נ. 3) Vergleiche Kant a. a< O. S. 210.

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